Als wir im Sommer 2024 die Petition «Für eine smartphonefreie Schulkultur» lancierten, konnten wir nicht wissen, wohin dieser Weg führen würde. Natürlich hofften wir, etwas zu bewegen. Dass daraus zwei Jahre später eine einheitliche Weisung des Erziehungsdepartements entstehen würde, war damals aber alles andere als selbstverständlich.
Heute freue ich mich über diesen Entscheid. Nicht nur, weil damit eine zentrale Forderung unserer Petition umgesetzt wurde. Sondern vor allem, weil die Petition eine breite Diskussion darüber ausgelöst hat, wie wir Schule im digitalen Zeitalter gestalten wollen. Die vergangenen Tage haben mir zudem einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Dialog ist. In zahlreichen Interviews und Gesprächen mit Lehrpersonen, Eltern, Journalistinnen und Journalisten sowie vielen weiteren Interessierten durfte ich erleben, wie differenziert über dieses Thema diskutiert wird.
Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. Gleichzeitig wurden kritische Fragen gestellt und genau das finde ich wichtig. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer lebendigen Demokratie. Sie fordern heraus, regen zum Nachdenken an und helfen, die eigene Haltung immer wieder zu überprüfen. Gute Lösungen entstehen und entwickeln sich im Gespräch. Unter anderem wurde mir die Frage gestellt:
«Weshalb braucht es überhaupt eine kantonal einheitliche Regelung?»
Tatsächlich verfügen viele Schulen bereits über eigene Vorgaben für den Umgang mit privaten elektronischen Geräten. Genau darin liegt aber das Problem. Jede Schule muss ihre eigenen Regeln entwickeln, kommunizieren und gegenüber Eltern vertreten. Lehrpersonen und Schulleitungen führen immer wieder dieselben Grundsatzdiskussionen. Teilweise gelten sogar für Geschwister, die unterschiedliche Schulen besuchen, unterschiedliche Regelungen. Unterschiedliche Lösungen führen zu Unsicherheit und Vewirrung.
Ich bin überzeugt, dass dies nicht die Aufgabe einzelner Schulen sein sollte.
Bei grundlegenden Fragen der Volksschule braucht es einen gemeinsamen Rahmen. Es gehört meiner Meinung nach zur Verantwortung des Kantons, diesen vorzugeben.
Das schafft Orientierung. Für Lehrpersonen und Schulleitungen. Für Eltern. Und für die Schülerinnen und Schüler. Alle wissen, woran sie sind, das schafft breite Akzeptanz, Transparenz und damit Klarheit und zwar unabhängig davon, welche Volksschule Kinder und Jugendliche besuchen. Genau das war von Anfang an das zentrale Anliegen unserer Petition.
Es geht um eine gesunde Schulkultur.
Unsere Petition hiess denn auch bewusst «Für eine smartphonefreie Schulkultur». Denn im Zentrum stand für uns nicht das Gerät, sondern die Frage, welche Schulkultur wir fördern wollen. Schule ist weit mehr als ein Ort der Wissensvermittlung.
Sie ist ein Ort des gemeinsamen Lernens, der persönlichen Begegnung und des sozialen Miteinanders. Kinder und Jugendliche sollen sich austauschen, miteinander lachen, diskutieren, spielen und auch lernen, Konflikte zu lösen. Gleichzeitig braucht es einen Unterricht, in dem konzentriertes Lernen mit Aufmerksamkeit für den Stoff und möglichst wenig Störungen möglich ist.
Private elektronische Geräte prägen den Schulalltag heute zunehmend. Sie können den Unterricht sinnvoll ergänzen, führen aber auch zu Konzentrationsproblemen, sozialem Druck oder Cybermobbing. Diese Herausforderungen dürfen wir nicht ausblenden. Gerade deshalb braucht es aus meiner Sicht klare und verlässliche Rahmenbedingungen.
Genau diese schafft nun die neue Weisung. Sie regelt den Umgang mit privaten elektronischen Geräten während der Schulzeit und hält gleichzeitig ausdrücklich fest, dass ihr Einsatz im Unterricht weiterhin möglich ist, wenn Lehrpersonen ihn aus pädagogischen Gründen vorsehen.

Wir wollten ja die Digitalisierung mit unserer Petition nicht zurückdrehen. Im Gegenteil: Medienkompetenz ist und bleibt ein zentraler Bildungsauftrag der Schule. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, digitale Medien kompetent, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen.
Die neue Weisung stellt dies nicht infrage. Dafür stehen den Schülerinnen und Schülern weiterhin ihre persönlichen Laptops mit Lernplattformen, Apps und digitalen Werkzeugen zur Verfügung, etwa für Recherchen im Internet, das Erstellen von Präsentationen oder weitere Unterrichtsaufgaben.
Klare Regeln schaffen Freiräume für das Wesentliche: einen Unterricht, in dem konzentriertes Lernen möglich ist, und Pausen, in denen persönliche Begegnungen und das soziale Miteinander wieder mehr Platz erhalten. Davon können alle Beteiligten profitieren.
Die Diskussion hat den Blick erweitert
Besonders wertvoll waren für mich die Diskussionen, die unsere Petition ausgelöst hat. Es ging längst nicht nur um private elektronische Geräte.
- Es ging um Medienkompetenz.
Um digitale gesellschaftliche Teilhabe.
Um die Rolle der Lehrpersonen.
Und um die Frage, wie viel Orientierung der Kanton geben soll und wie viel Verantwortung bei den einzelnen Schulen liegen muss.
Ich habe viele Argumente gehört, die ich gut nachvollziehen kann. Sie haben haben meinen Blick erweitert. Genau das macht eine gute politische Diskussion aus.
Besonders spannend fand ich die Frage der digitalen Teilhabe.
Selbstverständlich eröffnet die digitale Welt vielen jungen Menschen auch wichtige Möglichkeiten der Information, Vernetzung und gesellschaftlichen Teilhabe. Für mich folgt daraus jedoch nicht, dass private Smartphones während der Schulzeit jederzeit genutzt werden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu einer guten digitalen Bildung und den dafür notwendigen digitalen Werkzeugen erhalten, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten, davon, welches private (neuste) Gerät sie besitzen, oder ob sie überhaupt eines besitzen.
Ebenso wichtig war die Diskussion über die Medienkompetenz.
Natürlich müssen Kinder und Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen. Das bestreitet niemand. Sie bleibt eine Kernaufgabe der Schule. Medien und Informatik ist heute fester Bestandteil des Lehrplans und damit wird auch die Medienkompetenz gefördert. Das ist und bleibt notwendig.
Jede Schülerin und jeder Schüler arbeitet mit einem persönlichen Laptop, digitalen Anwendungen, Apps und Lernplattformen. Und wenn es pädagogisch sinnvoll ist, können die Lehrpersonen auch private Smartphones gezielt im Unterricht einsetzen.
Die neue Weisung verbietet Smartphones nicht grundsätzlich. Sie regelt ihren Einsatz während der Schulzeit.
Wenn aber Lehrpersonen zusätzliche Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien benötigen, müssen wir genau dort unbedingt investieren; in Aus- und Weiterbildung. Denn dieses Problem lösen wir nicht dadurch, dass jede Schule ihre eigenen Grundsatzregeln entwickelt oder deshalb private elektronische Geräte genutzt werden.
Spannend war auch die Frage, ob ich Schwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen Regeln sehe.
Ich glaube, dass gerade einheitliche Vorgaben die Umsetzung erleichtern. Alle wissen, was gilt. Zudem geht es nicht darum, Smartphone-Regeln erstmals einzuführen. Die meisten Schulen verfügen bereits über eigene Regelungen, einfach unterschiedliche. Neu gelten dieselben Grundsätze für alle Volksschulen. Darin sehe ich keinen Mehraufwand.
Natürlich liegt die Umsetzung wie bei anderen Schulregeln bei den Lehrpersonen. Ich habe Verständnis dafür, dass sie heute viele Regeln durchsetzen müssen. Gleichzeitig gehört diese pädagogische Verantwortung zu ihrem Berufsauftrag.
Aus zahlreichen Gesprächen weiss ich, dass sich viele Lehrpersonen eine einheitliche Handhabe gewünscht haben, weil sie den Schulalltag erleichtert.
Auch wenn Verstösse nie vollständig verhindert werden können, bin ich überzeugt, dass klare und selbstverständliche Regeln mit der Zeit weniger Interventionen erfordern. So kann sich auch die Schulkultur im Umgang mit privaten elektronischen Geräten nachhaltig verändern.
Ich wurde auch gefragt, wie die neue Weisung bei den Schülerinnen und Schülern ankommen wird.
Wahrscheinlich werden nicht alle von Anfang an begeistert sein, je nachdem, welche Regelung an ihrer Schule bisher galt. Das ist verständlich.
Gerade weil aber nun für alle dieselben Grundsätze gelten, schaffen sie auch Fairness und Orientierung unter den Schülerinnen und Schüler. Ich bin überzeugt, dass sie diese Nachvollziehbarkeit gut akzeptieren werden. Vor allem aber bin ich überzeugt, dass sie letztlich selbst davon profitieren.
Mehr als eine neue Weisung
Rückblickend glaube ich deshalb, dass unsere Petition weit mehr erreicht hat als eine neue Weisung.
Sie hat eine Diskussion angestossen, die weit über die Frage hinausgeht, wie mit privaten elektronischen Geräten umgegangen werden soll. Sie hat uns dazu gebracht, über grundlegende Fragen nachzudenken:
Welche Schulkultur wollen wir?
Wie schaffen wir gute Lernbedingungen?
Wie fördern wir Medienkompetenz?
Wie stärken wir Lehrpersonen?
Und welche Verantwortung trägt der Kanton dabei?
Demokratie lebt vom Mitmachen
Unsere Petition hat mir einmal mehr gezeigt, was unsere direkte Demokratie leisten kann. Eine Idee wird eingebracht. Menschen unterstützen sie, andere widersprechen, Argumente werden ausgetauscht und Positionen weiterentwickelt. Am Ende steht nicht einfach ein politischer Entscheid, sondern im besten Fall eine Lösung, die Klarheit schafft und von einer breiten Mehrheit mitgetragen werden kann.
Mein herzlicher Dank gilt meiner Mitinitiantin Katrin Amstutz-Betschart, dem gesamten Petitionskomitee sowie den vielen Menschen, die unsere Petition mit ihrer Unterschrift unterstützt haben.
Ebenso danke ich den Lehrpersonen, Schulleitungen, Eltern, Fachpersonen und allen anderen, die sich mit ihren Erfahrungen und Argumenten in die Diskussion eingebracht haben, unabhängig davon, ob sie unsere Haltung teilten oder nicht.
Schulkultur entsteht nicht von selbst. Sie entsteht dort, wo wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu diskutieren und gemeinsam gute Lösungen zu entwickeln. Ich freue mich sehr, dass unsere Petition dazu einen Beitrag leisten konnte.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
Bildquelle: Sandra Bothe
Für alle, die das Thema weiterverfolgen möchten, teile ich hier gerne die verschiedenen Medienberichte. Herzlichen Dank für die faire und differenzierte Berichterstattung.
Primenews, Claude Bühler zum Beitrag und betreffend die Kommunikation des Erziehungsdepartements gegenüber der Öffentlichkeit zum Bericht
OnlineReports.ch, Jan Amsler zum Beitrag
Telebasel Valerie Zeiser im Punkt 6 vom 28. Juli 2026 zum Insta-Beitrag
Regionaljournal, Marcello Capitelli zum Beitrag und Bericht
Radio Basilisk, Noemi Leuenberger zum Beitrag:
Basler Zeitung, Luca Thoma zum Beitrag
BZ für die Region beider Basel, Jonas Hoskyn zum Bericht
Nau, Antun Boskovic zum Artikel
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