Grosser Rat Basel-Stadt: In der Septembersession habe ich zwei Vorstösse zur Berufsbildung eingereicht. Der eine setzt beim Übergang von der Schule in eine Berufslehre an, der andere bei den Ausbildungsbetrieben und Berufsbildner:innen. Für mich gehören diese beiden Themen eng zusammen. Ausgangspunkt war unsere vertiefte Auseinandersetzung mit der Berufsbildung in der Bildungs- und Kulturkommission (BKK). Der aktuelle Lehrstellenbericht, der Masterplan Berufsbildung und der Bericht der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) zeigen, wo Basel-Stadt bereits gut unterwegs ist, aber auch, wo es noch Potenzial gibt.

Genau dort setzen meine beiden Anzüge an: Mehr Jugendlichen soll der direkte Einstieg in eine Berufslehre gelingen. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass die Betriebe und Berufsbildner:innen, die diese Jugendlichen ausbilden und begleiten, gute Rahmenbedingungen haben.

Besonders gefreut hat mich, dass sämtliche Mitglieder der Bildungs- und Kulturkommission beide Vorstösse mitunterzeichnet haben. Die Anliegen werden damit über die Parteigrenzen hinweg breit unterstützt. 

Mehr Jugendliche direkt in die Berufsbildung bringen

Besonders aufgefallen sind mir die Zahlen beim Übergang aus dem A-Zug. Der Lehrstellenbericht zeigt: Im Schuljahr 2024/25 traten rund 40 Prozent der Jugendlichen aus dem A-Zug direkt in die Berufsbildung ein, während 49 Prozent zunächst ein Brückenangebot besuchten. 
Brückenangebote sind wichtig. Jugendliche, die zusätzliche Vorbereitung benötigen, sollen diese auch erhalten. Aber dort, wo die Voraussetzungen für eine Berufslehre vorhanden sind, sollte der direkte Einstieg möglichst gelingen.
Gerade eine zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglicht einen praxisnahen Einstieg in die Berufsbildung und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, später eine Ausbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) anzuschliessen.

Mit meinem ersten Anzug möchte ich deshalb prüfen lassen, wie vor der Zuweisung in ein Brückenangebot die Möglichkeiten eines direkten Einstiegs in eine EBA- oder EFZ-Ausbildung konsequenter gelingen kann. Dabei soll auch geprüft werden, welche Elemente aus den Verfahren anderer Kantone, insbesondere Basel-Landschaft, für Basel-Stadt interessant sein könnten.
Gleichzeitig geht es um das Angebot an Lehrstellen. Der Ausbau von EBA-Lehrstellen soll gezielt darauf ausgerichtet werden, zusätzliche direkte Einstiege zu ermöglichen. Dazu gehört auch die Frage, wie weitere, gerade auch kleinere Betriebe für die Ausbildung gewonnen und unterstützt und wie Ausbildungsverbünde stärker genutzt werden können.

Zum Anzug «Direkt in die Berufsbildung – Übergänge gezielt stärken»

Berufsbildner:innen und Ausbildungsbetriebe stärken

Wenn wir mehr Jugendlichen den direkten Einstieg in eine Berufslehre ermöglichen wollen, müssen wir aber auch die andere Seite anschauen: die Betriebe und insbesondere die Berufsbildner:innen, die diese Jugendlichen ausbilden.
Ihre Aufgabe ist anspruchsvoll. Berufsbildner:innen vermitteln nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern begleiten junge Menschen während einer wichtigen Lebensphase. Dabei sind sie auch mit persönlichen, sozialen oder psychosozialen Herausforderungen von Lernenden konfrontiert.

Der vom Erziehungsdepartement in Auftrag gegebene EHB-Bericht greift dies auf und nennt die Stärkung der Berufsbildner:innen und des betrieblichen Lernorts ausdrücklich als Handlungsfeld. Auch die schweizweite WorkMed-Studie mit rund 45’000 Lernenden zeigt, wie wichtig eine gute Begleitung im Lehrbetrieb ist. 
Wer Lernende ausbildet, absolviert den gesetzlich vorgesehenen 40-stündigen Berufsbildnerkurs. Basel-Stadt bietet danach mit «Fokus Berufsbildung» freiwillige Weiterbildungen an. Es fehlt also nicht einfach an Angeboten. Die Frage ist vielmehr, ob diese angesichts der heutigen Anforderungen noch richtig ausgestaltet sind.

Mit meinem zweiten Anzug möchte ich deshalb prüfen lassen, wie die bestehenden Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote gezielt weiterentwickelt werden können. Dazu gehört auch die Frage, ob der obligatorische 40-stündige Basiskurs inhaltlich angepasst werden sollte und ob für bestimmte Themen oder in angemessenen Abständen eine verbindlichere Weiterbildung sinnvoll wäre.
Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir damit nicht neue Hürden für Ausbildungsbetriebe schaffen. Gerade für kleinere Betriebe können der zeitliche Aufwand und administrative Anforderungen stärker ins Gewicht fallen. Deshalb soll auch geprüft werden, wie diese Betriebe administrativ und organisatorisch besser unterstützt und entlastet werden können und ob Ausbildungsverbünde oder andere Formen der Zusammenarbeit stärker genutzt werden könnten. Genau diese Balance ist mir wichtig: Berufsbildner:innen stärken, ohne das Ausbilden für die Betriebe schwieriger zu machen. 

Zum Anzug «Berufsbildner:innen stärken – gute Rahmenbedingungen für eine anspruchsvolle Aufgabe»

Zwei Seiten derselben Aufgabe

Für mich gehören die beiden Vorstösse zusammen. Wir können nicht auf der einen Seite wollen, dass mehr Jugendliche direkt in eine Berufslehre einsteigen, ohne auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass genügend Betriebe bereit und in der Lage sind, sie auszubilden.
Basel-Stadt beginnt dabei nicht bei null. Mit dem Masterplan Berufsbildung wurden bereits verschiedene Massnahmen angestossen und auch der EHB-Bericht wurde vom Erziehungsdepartement in Auftrag gegeben. Meine beiden Anzüge knüpfen bewusst daran an und wollen einzelne Punkte gezielt weiterführen. 

Der direkte Weg in die Berufslehre soll häufiger gelingen. Dafür brauchen wir aber auch Ausbildungsbetriebe und Berufsbildner:innen, die für ihre anspruchsvolle Aufgabe gute Rahmenbedingungen haben.

Dass sämtliche Mitglieder der Bildungs- und Kulturkommission beide Anzüge mitunterzeichnet haben, freut mich deshalb besonders. Es zeigt, dass wir bei diesem Thema über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam weiterkommen wollen.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Bildquelle: Symbolbild