Sandra Bothe-Wenk

Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt

Eine smartphonefreie Schulkultur entsteht nicht von selbst

Als wir im Sommer 2024 die Petition «Für eine smartphonefreie Schulkultur» lancierten, konnten wir nicht wissen, wohin dieser Weg führen würde. Natürlich hofften wir, etwas zu bewegen. Dass daraus zwei Jahre später eine einheitliche Weisung des Erziehungsdepartements entstehen würde, war damals aber alles andere als selbstverständlich.

Heute freue ich mich über diesen Entscheid. Nicht nur, weil damit eine zentrale Forderung unserer Petition umgesetzt wurde. Sondern vor allem, weil die Petition eine breite Diskussion darüber ausgelöst hat, wie wir Schule im digitalen Zeitalter gestalten wollen. Die vergangenen Tage haben mir zudem einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Dialog ist. In zahlreichen Interviews und Gesprächen mit Lehrpersonen, Eltern, Journalistinnen und Journalisten sowie vielen weiteren Interessierten durfte ich erleben, wie differenziert über dieses Thema diskutiert wird. 

Wie modern soll ein Milizparlament sein?

Die technischen Probleme bei den digitalen Fernabstimmungen im April 26 zum Lohnmassnahmenpaket im Grossen Rat haben in der Bevölkerung zu Recht zu reden gegeben und aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse auch bei mir zu spürbarem Druck und Stress geführt. Diese ungute Situation, und ein Input unseres GLP-Präsidenten Serge Meyer, hat mich dazu gebracht, die Frage rund um Stellvertretungssysteme nochmals breiter anzuschauen.

Auch wenn die Abstimmung in der Mai-Session wiederholt wurde, hat die technische Panne definitiv sichtbar gemacht, wie verletzlich ein modernes Milizparlament grundsätzlich werden kann, wenn politische Arbeit, Beruf, Familie, aber auch gesundheitliche Situationen – oder in meinem Fall eine berufliche Weiterbildung – zeitweise nicht einfach zusammenpassen. Dadurch fehlt im entscheidenden Moment eine Stimme im Parlament.

Wenn gemeinsames Essen mit Kindern zur Lohnfrage wird

Politische Fragen entstehen oft in der Realität des Alltags; zum Beispiel in der Kinderbetreuung. Dort gehört das gemeinsame Essen mit den Kindern zur pädagogischen Beziehungsarbeit und ist selbstverständlicher Teil des Berufsalltags. Gleichzeitig wird genau diese Mahlzeit als Lohnbestandteil behandelt und je nach Anstellung, staatlich oder privat, sogar unterschiedlich gehandhabt.

Familienergänzende Ferienbetreuung braucht Flexibilität

Wenn familienergänzende Ferienbetreuung nur noch wochenweise angeboten wird, geht ein Stück Alltagstauglichkeit verloren.  Dabei lässt der Kanton bewusst Spielraum für flexible Lösungen. Entscheidend ist, dass dieser auch zukünftig genutzt wird, für Familien, für Kinder und für eine vielfältige Betreuungslandschaft.

Für viele Familien und Erziehungsberechtigte ist die Möglichkeit Ferienangebote flexibel zu buchen zentral, insbesondere bei Teilzeitmodellen und unregelmässigen Arbeitszeiten. Eine bedürfnisorientierte Ferienbetreuung richtet sich an Eltern, die ihre Kinder in den Ferien zumindest teilweise selbst betreuen wollen und können. Die Buchung einzelner Tage ist dabei ein zentraler Baustein, sowohl aus organisatorischer Sicht als oft auch im Hinblick auf eine kindgerechte Gestaltung des Alltags.

Demokratische Werte im Schulalltag stärken

Grosser Rat Basel-Stadt, Märzsession 2026: Das Parlament beschliesst den Anzug Sandra Bothe betreffend Stärkung der demokratischen Werte in der Volksschule: Entflechtung des Sammelbereichs «Ethik, Religionen, Gemeinschaft», berufliche Orientierung, Klassenstunde stillschweigend abzuschreiben.

Im Vorstoss geht es nicht um zusätzliche Lektionen in der Sekundarstufe I, auch wenn es der Regierungsrat so darstellt. Das mal vorweg.
Es geht um eine einfache Frage: Wie stellen wir sicher, dass demokratische Grundbildung und Werte wie Respekt, Toleranz und der Umgang mit Vielfalt im Schulunterricht den Stellenwert erhalten, den wir ihnen zuschreiben.

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