Sandra Bothe-Wenk

Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt

Datenschutz an Basler Schulen

Datenschutz im Wandel: Sind Schulen bereit für das revidierte Gesetz?

Seit dem 1. September 2023 gelten strenge Datenschutzbestimmungen, die besonders im Bildungsbereich grosse Herausforderungen mit sich bringen. Wie gut können teilautonome Schulen die neuen Vorgaben umsetzen und welche Risiken bergen veraltete Richtlinien und unbewusste Datenschutzverstösse?

Diese Fragen haben wir in der Fachgruppe Bildung und Familie der Grünliberalen diskutiert und festgestellt, dass uns entscheidende Antworten fehlen. Deshalb habe ich eine schriftliche Anfrage eingereicht, um diese Lücken aufzudecken und gegebenenfalls einen Vorstoss zu initiieren.


Schriftliche Anfrage bezüglich der Umsetzung des revidierten Datenschutzgesetzes in den kantonalen Bildungsinstitutionen

Seit dem 1. September 2023 ist das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) in Kraft getreten. Dieses umfasst weitgehende Verschärfungen des Datenschutzes. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie sehr die Umsetzung der revidierten Gesetzgebung durch das Prinzip der teilautonomen Schulen erschwert wird. Insbesondere im Bildungsbereich ist die Fülle an bestehenden und verwendeten Personendaten umfassend und schützenswert. Bei der Ablage und dem Versand von Schülerdaten können im Schulbetrieb schnell unbewusst Datenschutzverstösse begangen werden, für die man seit der Revision auch private haftbar gemacht werden kann. Auch die teilautonome Nutzung von verschiedenen Kommunikations-Apps1 und Kommunikationswegen mit Dritten birgt grosse Unsicherheiten. Die Antwort der Regierung auf die Interpellation von Oliver Thommen (Grüne) bringt diesbezüglich keine Klarheit: Schriftliche Anfrage: Wann klappt’s mit der Schulkommunikation?

Die im Internet auffindbare Orientierungshilfe für Datenschutz in der Schule wird mit Stand 2020 angegeben, also 3 Jahre vor Einführung des revDSG. Es fehlen entsprechende Hinweise zu Datenschutzkonzepten, Datenbearbeitungsregistern, Aufbewahrungs- und Zugriffsregeln oder Hinweise auf das Auskunftsrecht, entsprechende Weisungen zum Recht auf Vergessen etc.

Im Rahmen der teilautonomen Schulen stellt sich nun die Frage, inwiefern die einzelnen Schulen den stringenten Voraussetzungen des revDSG Folge überhaupt Folge leisten können, insbesondere auch mit Rücksichtnahme auf die entsprechende Kostendimension. Aus diesen Gegebenheiten leiten sich folgende Fragen ab:

  1. Besteht ein kantonales Konzept zur Umsetzung des Datenschutzes spezifisch an den Bildungsinstitutionen?
    • Falls ja, auf welchem Stand ist dieses und was beinhaltet es?
    • Falls kein kantonales Konzept zur Umsetzung des Datenschutzes in Bildungseinrichtungen vorhanden ist, was sind die Gründe dafür? Sollte die Ursache die teilautonome Struktur der Schulen sein, ist es angebracht, dass jeder Schulstandort ein individuelles Konzept entwickelt, auch wenn sie sich alle auf dasselbe revidierte kantonale Datenschutzgesetz stützen?
  2. Wie wird sichergestellt, dass alle Bildungsinstitutionen innerhalb des Kantons den entsprechenden Bestimmungen genügen? Dies insbesondere auch unter Berücksichtigung der teilautonomen Schulen?
  3. Gibt es einen Leitfaden (eine Orientierungshilfe) für die Schulleitungen und Lehrpersonen, die die Neuerungen des revDSG per 1. September 2023 erläutert und beinhaltet?
  4. Inwiefern regelt der Kanton die Haftung bei Verstössen gegen das revDSG? Sind die Arbeitnehmenden in dieser Hinsicht geschützt oder haften diese privat, wie es im revDSG vorgesehen ist?
  5. Ist ein Kommunikationskonzept für Schulleitungen, Lehrkräfte und weitere Mitarbeitende von Bildungseinrichtungen in Bezug auf deren Anspruchsgruppen vorhanden, dass die Vorgaben des neuen revDSG berücksichtig?
  6. Wie wird das Recht auf Vergessen in den kantonalen Bildungsinstitutionen umgesetzt?
  7. Wie schätzt der Regierungsrat die finanziellen Auswirkungen der Implementierung des revDSG auf die Bildungsinstitutionen ein?
    • In diesem Zusammenhang: Wird der finanzielle Aufwand «zentral» übernommen oder werden die Budgets der teilautonomen Schulstandorte angepasst? Dies zum Beispiel im Hinblick auf die Einführung von kostenpflichtigen Messenger-Dienste.

 

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Bildquelle: https://www.schulministerium.nrw/schule-bildung/recht/datenschutz-im-schulbereich

 

Offene Kinder- und Jugendarbeit Basel: Staatsbeiträge

Grosser Rat 16. Mai 2024: Ratschlag betreffend Staatsbeiträge für die offene Kinder- und Jugendarbeit für die Jahre 2024 bis 2027 und Bericht der BKK: Das Parlament beschliesst die Umsetzung des Ratschlags gemäss BKK einstimmig.


Die Rolle der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist unverzichtbar. Die OKJA ist weit mehr als ein Freizeitangebot oder Jugendtreff – die Angebote der Trägerinstitutionen sind essenzielle Stützen bei der Entwicklung junger Menschen zu unabhängigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen.

Es ist unsere Aufgabe sicherzustellen, dass diese Programme kontinuierlich den sich ändernden Bedürfnissen angepasst und wirksam weiterentwickelt werden, einschliesslich des Umgangs mit digitalen Lebenswelten. Die Angebote erreichen alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Hintergrund und dies ohne Mitgliedschaften oder andere Aufnahmebedingungen. In einer Welt, die zunehmend von digitalen Medien dominiert wird und in der Isolation eine immer grössere Rolle spielt, bietet die OKJA wichtige reale Treffpunkte.

Hier können Kinder und Jugendliche durch Gruppenaktivitäten und gemeinsame Projekte nicht nur zwischenmenschliche Interaktionen und Beziehungen pflegen, sondern auch Gemeinschaften bilden, ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln und Freunde finden. Sie erhalten dabei Unterstützung von professionellen Fachkräften, die auf ihre spezifischen Lebenslagen eingehen, sei dies bei der Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien über Hilfe bei Problemen in der Schule bis hin zur Beratung bei der Berufswahl oder der Bewältigung persönlicher sowie familiärer Herausforderungen. Dies beinhaltet auch die präventive Funktion der OKJA, die nicht zu unterschätzen ist. In einem geschützten Rahmen werden Themen wie Drogenkonsum, Medienkompetenz, Gewaltprävention, Diskriminierung und Rassismus adressiert, was langfristig zur Gesundheit und Sicherheit unserer Gesellschaft beiträgt. Die im BKK-Bericht vorgeschlagene verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen, um bewusst Brücken zwischen dem schulischen und ausserschulischen Umfeld der Kinder und Jugendlichen zu schlagen, würde weitere Wege eröffnen, Lücken bei bestimmten Themen zu schliessen. Es ist eine vielversprechende Möglichkeit, um gemeinsame Herausforderungen effektiver anzugehen.

Die Aufstockung der Staatsbeiträge an die OKJA ist eine wertvolle Investition in die Zukunft der kommenden Generationen. Sie ermöglicht es jungen Menschen, mit den richtigen Werkzeugen und der nötigen Unterstützung zu starken Mitgliedern unserer Gesellschaft heranzuwachsen. Dabei ist die Arbeit und das Engagement der Mitarbeitenden in der OKJA für das gesellschaftliche Wohl von grosser Bedeutung und besonders hervorheben. Dies in Bezug auf die professionelle Herangehensweise und in Bezug auf die bedürfnisgerechte Weiterentwicklung der Angebote. Umso mehr ist zu betonen, wie wichtig es ist, dass die Trägerschaften ihren Mitarbeitenden eine Perspektive in ihrer Lohnentwicklung bieten können, um qualifiziertes Personal nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten. Es ist bedauerlich, dass das Erziehungsdepartement keine klaren Empfehlungen zur kantonalen Einreihung der Gehälter und keine Empfehlung bezüglich der Einstufung zur Lohnentwicklung für Mitarbeitende der OKJA bereitstellt. Eine stärkere Unterstützung der Trägerschaften in diesem sensiblen Bereich ist wünschenswert. Die Löhne der Mitarbeitenden privater Träger in der Tagesbetreuung sowie in schulexternen Tagesstrukturen werden vom Erziehungsdepartement bereits empfohlen. Vor diesem Hintergrund bin ich überzeugt, dass auch für die OKJA eine praktikable Lösung gefunden werden kann.

Ich war überrascht festzustellen, dass das Konzept der Offenen Kinder- und Jugendarbeit seit 2006 unverändert geblieben ist, obwohl sich die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen seitdem grundlegend gewandelt haben. Es ist unerlässlich, dass eine flexible, den modernen Anforderungen entsprechende Strategie entwickelt wird und sie sich in einem Konzept niederschlägt, dass regelmässig überarbeitet und angepasst wird. Dies um die Arbeit der Einrichtungen und die damit verbunden Leistungsaufträge fortlaufend zu optimieren und inhaltlich relevant zu gestalten. Für die Zukunft ist eine verstärkte Zusammenarbeit und ein gewinnbringenderer Austausch zwischen den Trägerinstitutionen der OKJA und dem Erziehungsdepartement anzustreben.

Noch eine kurze Bemerkung zum Verein junge Kultur: Obwohl die Ankündigung der Schliessung des Sommercasinos zutiefst bedauerlich ist, hat der Verein transparent dargelegt, dass dieser Schritt unter Berücksichtigung aller Umstände notwendig war. Das Engagement der Verantwortlichen des Vereins für die Übernahme der Verantwortung für unpopuläre Entscheidungen auch in schwierigen Zeiten ist verdankenswert. Gleichzeitig unterstütze ich, dass Ansinnen der Auslegordnung und Überarbeitung des Betriebskonzepts für ein neues Jugendhaus einschliesslich der Überprüfung und Klärung, welche Bedeutung wir als Kanton dem jugendkulturellen Schaffen beimessen und inwieweit wir es fördern und weiterentwickeln wollen. Darunter fällt auch die Art und Weise der Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Austausch darüber, welches Departement zukünftig für den Verein zuständig sein soll.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Online: Grosser Rat Basel-Stadt, Geschäft 23.0823: https://grosserrat.bs.ch/ratsbetrieb/geschaefte/200112945

 

Smartphonefrei durch die Schule

Bildschirmzeit von Kinder und Jungendlichen beschäftigt die Basler Politik. Themenbeitrag Regionaljournal BS/BL SRF, moderiert von Nina Gygax, 

hier online hören: 

Notiz zu den Beiträgen: Ich habe mich sehr gefreut, dass mein Vorstoss betreffend handyfreie Schule zu einem Themenbeitrag im Regiojournal geführt hat, finde aber, dass der Beitrag im Abendjournal meinem politischen Anliegen nicht gerecht wird. Der Hinweis der Fachexpertin auf die Notwendigkeit, Schülerinnen und Schüler im Umgang mit sozialen Medien zu schulen, ist hingegen unumstritten. Doch die Frage, warum Schulen nicht smartphonefrei sein sollten, bleibt offen, obwohl Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse Laptops erhalten. Eine handyfreie Zeit in der Schule setzt den Fokus auf Bildung, Gesundheit und persönliche Entwicklung, was im Kern die Aufgabe unserer Schulen ist. Höchste Zeit, dass wir aktiv handeln und die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Kindern und Jugendlichen wahrnehmen, damit sie gesund in der digitalen Welt aufwachsen.

Mein Vorstoss für eine smartphonefreie Schule hat eine unglaubliche Resonanz erzeugt und ausschliesslich positive Rückmeldungen hervorgerufen. Ich habe mich sehr über die breite Unterstützung gefreut. Lehrkräfte und Eltern haben sich gleichermassen bei mir gemeldet und sind dankbar, dass dieses Thema in den öffentlichen Fokus gerückt wird. Die Herausforderung, den unkontrollierten Zugang zu den sozialen Netzwerken, insbesondere auch durch Smartphones, zu bewältigen, zählt zu den grössten unserer Zeit. In einer Welt, in der digitale Technologien allgegenwärtig sind, ist es entscheidend, verantwortungsvolle und bewusste Nutzungsweisen zu fördern und zu etablieren.


Die einzelnen Fragen von Nina Gygax betreffend die smartphonefreie Schule, über die ich mir im Vorfeld des Interviews Gedanken gemacht habe, sind hier nachzulesen:

  • Wo sehen sie die Probleme beim Handy in der Schule?

Ich sehe vor allem zwei Hauptprobleme mit Smartphones in Schulen: Erstens nutzen Schüler und Schülerinnen ihre Handys häufig in den Pausen, anstatt miteinander zu sprechen oder sich zu körperlich zu betätigen. Sie wollen nichts verpassen, checken daher ständig die neuesten Posts, sind am Chatten, Gamen oder schauen Videos. Zweitens lenken Smartphones im Unterricht ab und ziehen die Aufmerksamkeit von den Lehrinhalten ab. Die Schüler sind weniger konzentriert und nutzen dadurch ihr Potenzial nicht vollständig aus. Trotz Regeln gegen die Handynutzung während des Unterrichts, nutzen Schüler die Geräte heimlich, wenn sich die Gelegenheit bietet. Dies habe ich direkt in Gesprächen mit Jugendlichen erfahren.

  • Weshalb ist eine Regulierung der Nutzung in der Schule notwendig?

Ich betrachte den Umgang mit Digitalisierung, insbesondere sozialen Netzwerken, als eine der grössten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Einheitliche Regelungen an Schulen, die trotz der Teilautonomie für alle Kinder und Jugendlichen  gleichermassen gelten, lassen sich besser durchsetzen und finden breitere Akzeptanz. Aus Gründen der Gleichbehandlung und Chancengleichheit sehe ich keinen Grund, weshalb nicht für alle Schüler und Schülerinnen dieselben Richtlinien gelten sollten, die einige Schulen bereits umsetzen. Diese Massnahmen gewährleisten, dass Digitalisierung in der Schule vorrangig zur Unterstützung des Lernprozesses eingesetzt wird, was sinnvoll ist und von mir nicht in Frage gestellt wird. Zu diesem Zweck sind die Kinder und Jugendlichen mit Laptops ausgestattet, wodurch die Nutzung von Smartphones in der Schule praktisch überflüssig geworden ist.

  • Ist ein Verbot von Smartphones sinnvoll?

Ich halte es für wichtig, dass Kinder und Jugendliche in der Schule handyfreie Zeiten erleben, um ihre Entwicklung und psychische Gesundheit zu fördern. Dies rückt pädagogische Inhalte, Lernprozesse und persönliche soziale Interaktionen in den Mittelpunkt, indem Schülerinnen und Schüler eine Pause von sozialen Netzwerken erhalten und stattdessen echte soziale Kontakte pflegen und Beziehungen aufbauen können.

Diese handyfreien Zeiten ermöglichen es den Schülern, sich ohne ständige Ablenkung durch Smartphones voll und ganz auf sich selbst und ihr soziales Umfeld zu konzentrieren. Dabei geht es nicht darum, die Digitalisierung zu stoppen, sondern um eine sinnvolle, altersgerechte und dosierte Nutzung der Technologie. In der Schule haben wir das Fach Medien und Informatik eingeführt und alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse mit Laptops ausgestattet. Gleichzeitig investieren wir in Präventionsmassnahmen zum bewussten Umgang mit sozialen Medien und weil das Suchtpotential von «Social Media Plattformen» enorm ist.

Die gesellschaftliche Debatte über das Thema ist allerdings unzureichend, obwohl sie auch Erwachsene betrifft. Kinder und Jugendliche sind aber besonders anfällig für problematische Inhalte wie Cyber-Mobbing, unkontrollierten Zugang zu Pornografie oder Gewaltdarstellungen und leider auch Beiträge, die zu Radikalisierung führen können. Zudem fördert die ständige Online-Präsenz emotionalen Stress und einen ungesunden Vergleichsdruck – schneller, grösser, besser, dünner, talentierter – all diese Komponenten führen zu kognitiver und emotionaler Überlastung. Diese Belastung beeinträchtigt nicht nur die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler enorm, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Es ist höchste Zeit, dass wir aktiv handeln und unseren Kindern und Jugendlichen helfen, die digitale Welt gesund zu nutzen. Deshalb ist es sehr sinnvoll gerade in der Schule eine Pause von den sozialen Netzwerken einzulegen.

  • Wo sind die Eltern in der Pflicht? 

Eltern spielen eine entscheidende Rolle dabei, ihre Kinder von Beginn an aktiv und altersgerecht in der digitalen Welt zu begleiten. Sie tragen die Verantwortung, sich über digitale Medien zu informieren, ihre Kinder über Risiken aufzuklären und klare Grenzen zu setzen. Dabei ist es wichtig, dass Kinder die Regeln nicht nur befolgen, sondern auch verstehen.
Als Vorbilder müssen Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und gesunde digitale Gewohnheiten fördern, wie zum Beispiel begrenzte Bildschirmzeiten und eine ausgewogene Balance zwischen der Nutzung digitaler Medien und anderen Aktivitäten. Die Verantwortung für die digitale Erziehung liegt nicht allein bei den Schulen, sie kann nicht einfach abgewälzt werden.
Als Gesellschaft müssen wir verstehen und akzeptieren, dass manche Eltern aber mit diesen Herausforderungen und den Auswirkungen auf ihre Kinder überfordert sind. Daher ist es entscheidend, nicht nur Unterstützung anzubieten, sondern auch gemeinschaftlich zu handeln. Eltern, Schulen und auch beispielsweise die offene Kinder- und Jugendarbeit brauchen Werkzeuge und das Wissen, um die jungen Menschen wirksam in einer digitalisierten Welt zu begleiten und sie vor den negativen Auswirkungen zu schützen.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Bildquelle: Regionaljournal BL/BS SRF

Handyfreie Schulen

Alle Kinder und Jugendlichen sollten das Recht auf eine Bildungsumgebung haben, die nicht nur ihre Lernfähigkeiten fördert, sondern auch den Aufbau dauerhafter Freundschaften und ihre Entwicklung zu gesunden Erwachsenen unterstützt. Smartphones lenken nicht nur von schulischen Aufgaben ab, sondern auch von zwischenmenschlichen Interaktionen. Um eine störungsfreie und konzentrierte Lernatmosphäre zu gewährleisten und direkte soziale Kontakte zu fördern, insbesonders während den Pausen, setze ich mich für Schulen ohne Handys ein.

Die Basler Zeitung hat meinen Vorstoss aufgenommen und dazu berichtet. Zum Artikel geht es hier: Gefahr-durch-smartphones-basler-bildungspolitikerin-will-handyfreie-schulen

Meine Anmerkungen zum Beitrag sind: Es geht nicht darum, ob wir die Digitalisierung an Schulen stoppen sollten, sondern darum, wie wir effektiv damit umgehen: Sollen wir proaktiv und faktenbasiert vorgehen oder uns einfach von der Digitalisierungswelle überrollen lassen? Es ist richtig, dass der Umgang mit digitalen Geräten an den Basler Schulen einen wichtigen Stellenwert einnimmt, wozu auch der Umgang mit Sozialen Medien und Chats gehört. Die jüngste Ausweitung des Unterrichts mit dem Fach „Medien und Informatik“ ist eine logische Konsequenz davon. Die Debatte dreht sich hier aber nicht um die Digitalisierung an sich , sondern darum, ob Kinder und Jugendliche, die in der Schule über Laptops verfügen, zusätzlich Smartphones während der Schulzeit nutzen sollten.


Schriftliche Anfrage betreffend eine handyfreie Schule

Der bekannte amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt hat ein neues Buch mit dem Titel «Generation Angst» geschrieben. Obwohl es noch nicht auf Deutsch erschienen ist, löst das Buch auch in der Schweiz ein grosses Medienecho aus. Darüber berichtet haben unter anderem der Tagesanzeiger am 12. April 2024 und die NZZ am 8. April 2024.

Haidt führt die alarmierende Zunahme psychischer Probleme und sozialer Distanzierung unter Jugendlichen direkt auf eine extensive Nutzung der Smartphones und der sozialen Medien zurück. Die ständige Online-Präsenz und der Druck, auf sozialen Plattformen zu interagieren, verursachen emotionale und kognitive Überlastungen, die sowohl die psychische Gesundheit der jungen Menschen als auch zwischenmenschliche Beziehungen negativ beeinträchtigen. Obwohl diese Zusammenhänge schon oft vermutet wurden und immer wieder auf die Gefährdung der Entwicklung junger Menschen hingewiesen wurde, erfolgte die Warnung selten so eindringlich. Haidt spricht sich explizit gegen die Nutzung von Smartphones durch Unter-Vierzehnjährige sowie gegen die Nutzung sozialer Medien durch Unter-Sechzehnjährige aus, um die Entwicklung der Jugendlichen zu schützen.

Auch die Schulen sind verpflichtet, die Gesundheit der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu schützen. Haidt vertritt die Ansicht, dass Abstinenz von sozialen Medien ein wirksames Mittel gegen die daraus resultierenden Störungen ist. Er glaubt, dass das Problem nicht individuell gelöst werden kann, sondern einen gemeinschaftlichen Konsens und eine gemeinschaftliche Anstrengung erfordert. In der Konsequenz plädiert er für eine smartphonefreie Schule.
In Gesprächen mit dem pädagogischen Schulpersonal, Eltern aber auch Schülerinnen und Schüler stelle ich fest, dass ebenfalls der Wunsch geäussert wird, dass die Schulen nicht nur in der Primarstufe, sondern besonders auch auf der Sekundarstufe eine handyfreie Umgebung bieten sollten, um eine gesunde Entwicklung der Jugendlichen zu unterstützen.

Bisher ist der Einsatz bzw. die Nutzung des Smartphones an den Volksschulen Basel-Stadt auf der Primar- und auf der Sekundarschule aufgrund der Teilautonomie nicht einheitlich geregelt. Da alle Kinder und Jugendlichen ab der 5. Primarschulklasse von der Volksschule mit persönlichen Laptops ausgestattet werden, ist die Nutzung von Handys während der Schulzeit – sowohl im Unterricht als auch in den Pausen – aber gar nicht erforderlich. Zudem würden die Schülerinnen und Schüler insbesondere während der Pausen erheblich von einer handyfreien Zeit profitieren. Sie wären motivierter, direkt miteinander zu interagieren, anstatt sich auf ihre Handys zu konzentrieren, was ihnen ermöglicht, wertvolle soziale Erfahrungen zu sammeln.

In Anbetracht der genannten Argumente und in Erwägung einer smartphonefreien Volksschule bitte ich den Regierungsrat, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Schätzt der Regierungsrat die bestehenden Regelungen zur Nutzung von Smartphones und sozialen Medien an Schulen als ausreichend ein, was den Schutz der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern betrifft?
  2. Reicht das aktuelle Präventionsangebot an Schulen aus, um die negativen Auswirkungen einer übermässigen Nutzung von Smartphone und sozialen Medien verständlich zu machen? Falls nicht, welche zusätzlichen Massnahmen erwägt der Regierungsrat zu ergreifen, um die Wirksamkeit der Angebote zu verbessern.
  3. Ist der Regierungsrat bereit im Kanton Basel-Stadt eine smartphonefreie Volksschule einzuführen?
    • Falls ja: Ab welchem Zeitpunkt wäre die Umsetzung dieser Massnahme möglich?
    • Falls nein: Welche Hindernisse stehen einer solchen Regelung entgegen, und welche Strategien verfolgt der Regierungsrat anstelle der handyfreien Volksschule, um den genannten Herausforderungen nachhaltig zu begegnen?
  4. Wären auch die Tagesstrukturen als unterrichtsergänzendes Angebot smartphonefrei zu gestalten? Falls nein – weshalb nicht?
  5. Welche Überlegungen führten zur Entscheidung, dass Kinder bereits ab der 5. und 6. Primarschulklasse mittels der von der Schule bereitgestellten Laptops Zugriff auf Chatfunktionen und soziale Netzwerke haben?
  6. Ist die zunehmende Digitalisierung des Unterrichts an der Volksschule aufgrund der obigen Ausführungen und der heutigen Erkenntnisse sinnvoll oder muss die aktuelle Strategie grundsätzlich überdacht werden?

 

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Bildquelle: Tagesanzeiger/gesundheit-gen-z-schulen-sollten-smartphonefrei-werden

Erasmus+ stärkt unsere Jugend und Wirtschaft

Grosser Rat, 17. April 2024: Wir Grünliberalen setzen uns für die vollständige Wiederaufnahme der Schweiz als assoziiertes Mitglied im Erasmusprogramm ein und sind dem Parlament gefolgt. Die Standesinitiative wurde einstimmig überwiesen.


Insbesondere als Land mit einem dualen Bildungssystem würde die Schweiz nicht nur auf Hochschulebene vom Programm Erasmus+ profitieren.  Durch vielfältige Komponenten trägt Erasmus+ zur Entwicklung eines umfassenden Bildungs- und Austauschsystems bei, das weit über den traditionellenStudentenaustausch hinausgeht.

Die Bildungsmöglichkeiten sind breit angelegt: Auch Schüler und Schülerinnen, Auszubildende, Lehrpersonal, Freiwillige und Praktikanten und Praktikantinnen profitieren von den Mobilitäts- und Kooperationsmöglichkeiten. Das Programm unterstützt auch Projekte und Partnerschaften im Bereich des Breiten- und Leistungssports und die Jugendarbeit profitiert durch die einfachere Teilnahme an internationalen ausserschulischen Projekten, was junge Menschen nachhaltig befähigt.

Die kollektive oder individuelle Teilnahme an diesem Programm stärkt unsere Jugend und damit unsere Wirtschaft und unser Gemeinwesen. Es schafft lebenslange Lern- und Entwicklungschancen für Menschen aller Altersgruppen.

Auch wenn wir ausserhalb von Erasmus+ über zahlreiche bilaterale Austauschprogramme verfügen, bietet die Teilnahme am Erasmus+ Programm zusätzliche Möglichkeiten, die die Bildungslandschaft der Schweiz und von unserem Kanton bereichern und stärken können. Es geht also um die Chance, durch Erasmus+ zusätzliche Vorteile für unsere Bürger und Bürgerinnen zu realisieren.

Die Vollmitgliedschaft eröffnet uns einfacher Wege für Lernende und Lehrende, um durch Austauschprogramme internationale Erfahrungen zu sammeln, Kompetenzen zu erweitern, Sprachkenntnisse zu verbessern und ein tiefgreifendes kulturelles Verständnis zu entwickeln. Diese Erfahrungen sind überaus wertvoll in einer globalisierten Welt, in der interkulturelleKompetenz und Flexibilität zunehmend gefragt sind. Darüber hinaus profitieren unsere Studierenden von mehr europäischen Uni-Optionen und weniger Bürokratie und Planungsaufwand! Dafür können sie mehr Internationale Lernerfahrungen machen und ihre interkulturellen Skills ausbauen.

Ich erkenne durch die Vollmitgliedschaft bei Erasmus+ nur Gutes für die Schweiz und für unsere Region. Das Programm stellt Weichen für eine erfolgreiche Zukunft unserer Jugend, hebt die Qualität unseres Bildungssystems und festigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und die Karrierechancen unserer Jugend. Für Basel-Stadt bedeutet dies einen unmittelbaren Gewinn, der unseren Status als herausragenden Bildungs- und Forschungsstandort stärkt und optimale Entwicklungschancen in der Berufsbildung fördert.

Die Grünliberalen sprechen sich ganz grundsätzlich für eine verstärkte und vertiefte Zusammenarbeit mit Europa aus. Die Rückkehr zur vollständigen Teilnahme an den Programmen von Erasmus+ und aber auch Horizon Europe würde die Schweiz, und insbesondere Basel mit seinen renommierten Forschungseinrichtungen, in eine vorteilhafte Position versetzen, um wissenschaftliche Exzellenz zu fördern, bedeutende Forschung zu unterstützen und die internationale Kooperation zu intensivieren. Durch die erhöhte Attraktivität der Schweizer Forschung ziehen wir internationale Talente an und stärken  dadurch unsere internationale Stellung. Wir können besser zur Lösung globaler Herausforderungen beitragen und innovative Lösungen für die drängenden Fragen unserer Zeit entwickeln.

Erasmus+ ist aber nicht nur ein Fenster für unsere Schüler und Schülerinnen, Lehrlinge und Studierende nach Europa, es ist auch ein Schaufenster für Basel. Einige der Erasmus+ Teilnehmenden werden künftige Polit- und Wirtschaftsführer sein. Es ist eine einzigartige Chance für Basel bei diesen künftigen Verantwortungsträgern auf dem Radar zu erscheinen. In ihren künftigen Entscheidungen wird Basel eine Rolle spielen und immer eine Option sein, egal ob bei Firmenansiedlungen, dem persönlichen Umzug nach Basel oder der Unterstützung unseres Kantons im internationalen Wettbewerb.

Auslandaufenthalte prägen das Leben und wir wollen nicht nur in guter Erinnerung bleiben, sondern überhaupt erst in die Auswahl kommen. Indem wir uns für die vollständige Teilnahme bei Erasmus+ einsetzen, investieren wir direkt in die Zukunft unserer und der kommenden Generationen.

Ich bin überzeugt, dass dies der richtige Weg ist und konnte dies in einem Kurzinterview mit Nau.ch darlegen.

Zum Artikel geht es hier online: Erasmus+ stärkt unsere Jugend und Wirtschaft

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen


Bildquelle: https://www.economiesuisse.ch/de/artikel/10-fragen-zu-erasmus

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