Grosser Rat 11. März 2026, neue Vorstösse: Digitale Geräte gehören heute zum Schulmaterial wie Heft und Bleistift. Doch entscheidend ist nicht das Gerät, sondern seine Wirkung auf das Lernen und die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.
Digitale Geräte gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. Wenn ich aber mit Lehrpersonen, Eltern und Jugendlichen spreche, merke ich schnell: Die Erfahrungen mit digitalen Instrumenten sind unterschiedlich. Viele sehen Chancen, andere stellen Fragen oder machen sich Sorgen. Beides ist verständlich. Die Schule befindet sich mitten in einer Entwicklung, die wir alle mitgestalten.
Tablets, Laptops und digitale Lehrmittel, Plattformen und Apps sind bereits ab der 1. Primarschulklasse Teil des Unterrichts geworden. Seit dem Schuljahr 2020/21 erhalten Schülerinnen und Schüler im Kanton Basel-Stadt ab der 5. Primarstufe sogar ihr persönliches eduBS-Books. Diese Entwicklung stellt heute kaum jemand grundsätzlich infrage. Digitalisierung gehört zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und damit auch zur Schule.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob digitale Instrumente eingesetzt werden sollen, sondern wie sie das Lernen unterstützen können. Technologie allein verbessert keinen Unterricht. Pädagogik entsteht nicht durch Geräte, sondern durch gut ausgebildete Lehrpersonen, durch durchdachte Unterrichtsformen und durch Lernprozesse, die Kinder und Jugendliche wirklich erreichen. Digitale Instrumente können dabei vieles ermöglichen: neue Formen der Zusammenarbeit, individualisierte Lernwege oder einen schnellen Zugang zu Wissen. Gleichzeitig zeigen Forschung und praktische Erfahrungen auch Herausforderungen, etwa beim Thema Konzentration, beim digitalen Lesen, beim Umgang mit Informationen oder bei der Bildschirmzeit. Genau deshalb werden diese Fragen heute auch in der Bildungsforschung zunehmend differenziert diskutiert. Digitale Instrumente sind kein Selbstzweck. Entscheidend ist, wie sie pädagogisch eingesetzt werden.
Nach Jahren praktischer Erfahrung scheint mir und Brigitte Gysin deshalb ein guter Moment gekommen, um genauer hinzuschauen: Was funktioniert im Unterricht gut? Wo entstehen neue Möglichkeiten? Und wo braucht es Anpassungen?
Mit einem Vorstoss möchten wir deshalb eine systematische Evaluation der Wirkung digitaler Instrumente über alle Schulstufen hinweg anstossen. Ziel ist nicht Kritik an der Digitalisierung, sondern eine fundierte Grundlage für ihre qualitative Weiterentwicklung im Schulbereich.
Der zweite Vorstoss betrifft eine Frage, die viele Familien ganz praktisch beschäftigt. Schulgeräte werden auch zu Hause für Hausaufgaben, Recherchen oder Vorbereitung genutzt. Gleichzeitig berichten Eltern von neuen Herausforderungen im Umgang mit diesen zusätzlichen digitalen Geräten im Kinderzimmer. Dabei handelt es sich um ein schulisches Instrument, dessen Nutzung jedoch im familiären Umfeld stattfindet, ohne dass Eltern über die technischen Möglichkeiten verfügen, diese sinnvoll zu steuern. Für Lehrpersonen wiederum ist es nicht ganz einfach, ein digitales Schulgerät nach Hause zu geben, im Wissen, dass dessen Nutzung ausserhalb der Schule nicht beeinflusst werden kann. Es stellt sich die Frage nach altersgerechten adäquaten Rahmenbedingungen.
Deshalb schlagen wir vor, zu prüfen, ob eine stufengerechte Nachtsperre für die schulischen eduBS-Books sinnvoll sein könnte. Einige Gemeinden der Region kennen solche Regelungen bereits. Beide Vorstösse verfolgen letztlich das gleiche Ziel: Digitalisierung nicht einfach geschehen zu lassen, sondern sie bewusst weiterzuentwickeln.
Digitale Instrumente gehören heute zur Schule. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Wirkung. Denn am Ende geht es nicht um Geräte, sondern darum, wie Kinder und Jugendliche heute gut lernen können.
Über die beiden Vorstösse haben u.a. in einem Beitrag die BZ-Basel und das Regionaljournal berichtet.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
Bild: KI-generiert mit DALL·E (OpenAI)
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