In der Septembersession hat der Grosse Rat den Bericht zur Erfüllung des Leistungsauftrags 2025 der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW beraten und genehmigt. Grundlage dafür waren der Bericht der Regierungen der vier Trägerkantone und der Bericht der Interparlamentarischen Kommission IPK FHNW, welche die parlamentarische Oberaufsicht über die gemeinsam getragene Fachhochschule wahrnimmt.
Insgesamt entwickelt sich die FHNW erfreulich. Die Studierendenzahlen steigen, wichtige strukturelle Veränderungen wurden umgesetzt und auch die durchschnittlichen Kosten pro Studentin und Student konnten nochmals gesenkt werden. Das ist positiv.
Gleichzeitig dürfen wir bei einer Hochschule nicht nur auf Studierendenzahlen, Abschlüsse und Kosten schauen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage: Wie gut sind die Studierenden am Ende auf ihren späteren Beruf vorbereitet? Besonders beschäftigt mich diese Frage bei der Pädagogischen Hochschule.
Quereinstieg: Interesse ist da, aber wo liegen die Hürden?
Angesichts des Lehrpersonenmangels sind durchlässigere Zugangswege wichtig. Entscheidend ist, dass die Studierfähigkeit gewährleistet ist und am Ende für alle die gleichen Anforderungen gelten. Beim Quereinstieg zeigt sich allerdings eine interessante Situation: Das Interesse ist gross, gleichzeitig fehlen teilweise geeignete Stellen für den begleiteten Berufseinstieg.
Das wirft eine wichtige Frage auf: Woran scheitert der Quereinstieg in der Praxis, an fehlendem Interesse jedenfalls nicht. Liegen die Hürden vielmehr bei der Organisation des Modells?
Gerade angesichts des Lehrpersonenmangels sollten wir genauer hinschauen, weshalb das vorhandenes Potenzial nicht genutzt werden kann.
Mehr Eigenverantwortung statt Präsenzpflicht
Gleichzeitig verändert sich die PH selbst. Mit «Perspektive PH» läuft ein grösserer Reorganisations- und Sparprozess. Strukturen werden verändert und bis zu 40 Stellen abgebaut. Gleichzeitig wurden die Zulassungsbestimmungen liberalisiert und seit September 2025 besteht weitgehend keine Präsenzpflicht mehr.
Jede dieser Veränderungen kann für sich gute Gründe haben.
Mehr Flexibilität und Eigenverantwortung im Studium ist sicher nicht falsch. Aber entscheidend bleibt, welche Kompetenzen am Ende bei den Studierenden vorhanden sind. Gerade bei der Ausbildung von Lehrpersonen ist diese Frage aus meiner Sicht besonders wichtig.
Denn dahinter steht ein grundsätzlicher Aspekt:
Welche Bedeutung hat eine Hochschule heute noch
als gemeinsamer Lern- und Ausbildungsort?
Lehrperson zu sein bedeutet nicht nur, sich Wissen anzueignen. Kommunikation, Zusammenarbeit, Auftreten, Feedback und Reflexion gehören genauso zum Beruf. Vieles davon entsteht im direkten Austausch mit anderen.
Deshalb sehe ich durchaus ein Spannungsfeld: Die PH versteht sich selbst als Präsenzhochschule und betont den Wert der Präsenz für die Kompetenzentwicklung und Professionalisierung. Gleichzeitig ist die Teilnahme weitgehend nicht mehr verbindlich.
Eine solche Veränderung muss begleitet und ihre Wirkung auf die Ausbildungsqualität überprüft werden.
Mehr Flexibilität kann sinnvoll sein. Sie darf aber nicht dazu führen, dass mit der Präsenzpflicht auch gemeinsame Ausbildungs- und Lernräume verloren gehen, die für die Professionalisierung von Lehrpersonen wichtig sind.
Was bekommen wir für rund 28’000 Franken?
Die durchschnittlichen Ausbildungskosten an der FHNW liegen bei rund 28’000 Franken pro Studienjahr. Auch deshalb interessiert mich nicht nur, ob diese Kosten sinken. Mich interessiert, was die Studierenden dafür an Ausbildung, Begleitung, Austausch und professioneller Rückmeldung erhalten und vor allem, was am Ende dabei herauskommt.
Wie erfolgreich schliessen die Studierenden ab? Wie gelingt ihnen der Einstieg in den Lehrberuf? Wie viele bleiben längerfristig dabei? Und welche Auswirkungen haben neue Zugangswege, flexiblere Studienformen und die Reorganisation der PH auf die Ausbildungsqualität?
Solche Veränderungen sollten nicht nur umgesetzt, sondern vor allem auch in ihrer Wirkung evaluiert werden.
Auch bei künstlicher Intelligenz braucht es eine Strategie
Ein weiterer Punkt aus dem Bericht betrifft den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Die IPK vermisst bei der FHNW eine klare Strategie. Diese Kritik teile ich.
Von einer Hochschule, die Innovationsmotor unserer Region sein will, darf man erwarten, dass sie sich aktiv damit auseinandersetzt: Wie verändert KI das Lernen und die Lehre? Welche Kompetenzen brauchen Studierende künftig? Und wo kann die FHNW KI selbst sinnvoll nutzen?
Die IPK will dieses Thema beim nächsten Leistungsauftrag wieder aufnehmen. Das finde ich richtig.
Am Ende zählt die Wirkung
Die FHNW leistet viel und entwickelt sich insgesamt erfreulich. Effizienz, neue Zugangswege und flexiblere Studienformen sind wichtig. Aber gerade wenn gleichzeitig gespart, reorganisiert und flexibilisiert wird, müssen wir die Qualität im Auge behalten.
Wir messen sehr genau, wie viele Studierende die FHNW hat, wie viele Abschlüsse sie erzielt und was ein Studienplatz kostet. Wir müssen aber genauso detailliert hinschauen, was die Ausbildung bewirkt und ob die Studierenden am Ende gut auf ihren späteren Beruf gut vorbereitet sind.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
Bildquelle: Sandra Bothe
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