Grosser Rat Basel-Stadt, Märzsession 2026: Das Parlament beschliesst den Anzug Edibe Gölgeli und Andrea Strahm betreffend finanzielle und strukturelle Absicherung des Basler «Kindernäschts» mit 66 Ja gegen 25 Nein Stimmen und 3 Enthaltungen an die Regierung zu überweisen.
Manchmal zeigt sich Politik an einem ganz konkreten Beispiel. In diesem Fall an einer Betreuungsinstitution in der Innenstadt, in der Kinder spielen, während ihre Eltern arbeiten, Termine wahrnehmen oder schlicht versuchen, ihren Alltag zu organisieren, ohne auf familiäre oder freundschaftliche Unterstützung zurückgreifen zu können.
Das Basler «Kindernäscht» ist kein klassisches Kita-Modell. Es ist flexibel, spontan und niederschwellig. Genau deshalb passt es nicht sauber ins bestehende Raster, weder ins System des WSU noch in die kantonal mitfinanzierte Tagesbetreuung, deren Richtlinien solche Formen nicht (mehr) zulassen. Und genau deshalb ist dieser Vorstoss wichtig: Er schafft Raum, um zu prüfen, wie mit solchen zwar staatlich nicht genormten, aber dennoch bedürfnisorientieren und pädagogisch ausgerichteten Angeboten künftig umzugehen ist.
Wir sprechen viel über Vereinbarkeit. Doch Vereinbarkeit findet nicht nur an 5 Tagen zwischen 7 und 7 statt. Sie betrifft auch Pflegefachpersonen im Schichtdienst, Verkäufer:innen am Samstag, Alleinerziehende ohne familiäres Netz. Für sie gibt es im Kanton Basel-Stadt kein anderes verlässliches, einkommensabhängiges Angebot für geplante oder kurzfristige Betreuung z.B. ohne wöchentliche Mindestbelegung von 40%.
Unser Basler System ist so aufgebaut, dass entweder alles exakt der Norm entspricht oder nicht berücksichtigt wird. Private Innovation wird damit faktisch verhindert, weil in diesem sensiblen Bereich die finanziellen Spielräume fehlen, sei es bei der Institution oder bei den Eltern. Wer nicht ins Schema passt, bleibt draussen.
Der Vorstoss verlangt nichts Radikales. Er verlangt eine Auslegeordnung. Eine ehrliche Prüfung, wie ein etwas anderes Angebot strukturell und finanziell gesichert und sinnvoll ins Betreuungsnetz integriert werden kann. Das ist kein Sonderwunsch, das ist kluge Weiterentwicklung. Und es schafft Raum, damit in Basel-Stadt auch künftig innovative und pädagogisch wertvolle und bedürfnisorientierte Betreuung möglich bleibt, selbst wenn sie nicht exakt der Norm entspricht. Keine Regeln ohne begründete Ausnahmen, darum geht es hier.
Ich bin überzeugt: Ein modernes Betreuungssystem muss unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden. Es darf nicht starr auf ein einziges Modell ausgerichtet sein. Flexible Lösungen stärken Erwerbstätigkeit, Eigenverantwortung und soziale Teilhabe.
Wer auch in der Kinderbetreuung Innovation will, muss die strukturellen Voraussetzungen schaffen und den Mut haben, Spielräume zuzulassen.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
Bild: KI-generiert mit DALL·E (OpenAI)
Schreibe einen Kommentar