Sandra Bothe-Wenk

Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt

Kantonaler Lehrstellenbericht 2020

Grosser Rat, 8. Dezember 2021, Votum zum Bericht der Bildung- und Kulturkommission zum Bericht über die Lehrstellensituation und Situation im Bereich der Beruflichen Nachholbildung im Kanton Basel-Stadt 2020

Zur Ausgangslage
Der Bericht über die Lehrstellensituation zeigt, es gelingt uns trotz grossen Anstrengungen – seit mehr als 20 Jahren nicht – einen signifikanten Anstieg der direkten Übertrittsquote in die Lehre zu erreichen.

Was sind die Gründe im Einzelnen?
Abgesehen von der niedrigen Übertrittsquote gelangen auch Jugendliche in die Gymnasien, deren Kompetenzprofil für beide Bildungswege geeignet ist, die aber nicht unbedingt ein Hochschulstudium anstreben. Sie orientieren sich später um, verlassen das Gymnasium vorzeitig und treten dann den Weg in die Berufsbildung an.

Diese Abbruchquote an den Gymnasien beeinflusst die Chancen der qualifizierten Sek-Abgänger bei der Lehrstellensuche. Die Lehrbetriebe stellen vorzugsweise die aus den Mittelschulen gefallenen Jugendlichen ein. Darauf verweist auch der hohe Altersdurchschnitt von fast 18 Jahren beim Lehrstellenantritt. Diese Entwicklung ist weder effizient noch effektiv.

Deshalb unternimmt das Erziehungsdepartement in der Sekundarschule zahlreiche Anstrengungen, die sehr guten Berufschancen von Lehrabgängern, Schülerinnen und Schülern klar aufzuzeigen. Investiert wird ebenso in eine gute Elternarbeit. Sie werden als wichtigste Partner im Berufswahlprozess der Jugendlichen wahrgenommen und von Anfang an aktiv einbezogen.

Sicher besteht eine Schwierigkeit darin, ausländischen Eltern das duale System näher zu bringen. Sie sind mit unserem Schweizer Bildungssystem wenig vertraut. Und die Berufsmaturität ist international noch nicht anerkannt. In der Schweiz verlassen die Kinder zudem die Volksschule offiziell mit 15 Jahren und somit früher als in Ländern mit anderen Bildungssystemen. Gründe, die bei einer möglichen Rückkehr von Familien in ihre Heimat zum Problem werden könnten. Sie machen sich deshalb wo möglich bei ihren Kindern eher für weiterführende Schulen stark.

Ein weiterer Grund ist, dass die Berufswahl für viele Schülerinnen und Schüler einfach zu früh kommt. Mit der Verschiebung des Stichtags beim Schuleitritt wegen der Umsetzung von Harmos, wurde die Problematik – nach Meinung der Grünliberalen – zusätzlich verschärft. Denn in der Konsequenz wird für die Schülerinnen und Schüler die intensive berufliche Auseinandersetzung schon mit 13 Jahren zu einem zentralen Thema.
Mit 14 Jahren muss der Entscheid für die Berufswahl gefällt sein. Das ist schwierig, weil die Jugendlichen mitten in der Identitätsfindung stecken und viele noch keine klare Vorstellung davon haben, was genau sie später einmal werden wollen.

Die Lehrstellensuche
Wer eine Lehrstelle will, muss viel mehr und Umfassenderes leisten als diejenigen, welche den Sprung in eine weiterführende Mittelschule schaffen wollen.
Während hier ein bestimmter Notenschnitt verlangt wird, erfordert der Weg in die Berufsbildung ein enormes Engagement der Jugendlichen: Schnupperlehre, Bewerbungen schreiben, sich in Vorstellungsgesprächen oder Assessments erfolgreich bewähren sowie Testverfahren wie Multi und Basischecks absolvieren.
Dazu braucht es Reife! Denn das aufgezählte Repertoire ist neben dem normalen Schulbetrieb und den damit verbundenen Leistungserhebungen und Notendruck für den Volksschulabschluss zu absolvieren.
Das Hauptproblem ist darum das Zugangssystem, das Jugendliche beim Eintritt in die Berufslehre gegenüber dem Übertritt in die Mittelschulen benachteiligt.

Fehlt die Vision?
Die Übergänge zwischen Schule, Ausbildung und Beruf sind Schlüsselsituationen in den Bildungskarrieren von Jugendlichen.

Es reicht nicht, die Perspektiven der Berufslehre sowie der damit verbundenen Karrierechancen früh aufzuzeigen – das versuchen wir jetzt seit 20 JahrenDer Weg in die Lehre muss auch attraktiv gestaltet und für die jungen Menschen umsetzbar sein.

Dabei könnte sich das Brückenangebot als erfolgreiches Modell erweisen, das tatsächlich als Sprungbrett und Motivationsjahr verstanden würde, anstatt als Notlösung. Ein attraktives, anerkanntes 12. Schuljahr kann die Chance bieten, dass Jugendliche sich bewusst die Zeit nehmen, sich mit ihrem Berufswunsch auseinandersetzen. Es könnte eine intensive Beschäftigung mit der Berufswahl ermöglichen und auch die Zeit zu reifen oder sich besser zu qualifizieren.

Das Duale Schweizer Bildungssystem
Grundsätzlich geht es doch darum die Passung der Jugendlichen zwischen Fähigkeiten und Interessen, Anforderungen und Voraussetzung, Leistungsmotivation und Erfolg zu verbessern, damit sie ihr Potential und Talent optimal beruflich und schulisch einsetzen können.

Die Grünliberalen sind grosse Anhänger des dualen Bildungssystems und wir finden es wichtig, dass wir es stärken und nicht schwächen. Die Lehre ist kein Plan B!

Es ist nun leider nicht so, dass wir heute die pfannenfertige Lösung für eine höhere direkte Übertrittsquote in die Lehre für Basel parat haben. Was die GLP aber ablehnt, ist noch mehr Druck auf die Jugendlichen auszuüben und nun auch in Basel Aufnahmeprüfungen für Gymnasien einzuführen. Das führt einzig zu neuen Problemen. Die Bildungswege sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Berufslehre ist zwar krisenresistent, steht aber unter Druck. Aber die Jugendlichen eben auch. Sie müssen sich oft zu früh mit dem Angebot und mit ihren Kompetenzen und Wünschen auseinandersetzen. Ich bin der Meinung genau dort sollten wir den Hebel ansetzen, damit unser duales Bildungssystem weiter Erfolgsgeschichte schreibt.

Wir sollten deshalb die Herausforderung und die Schwierigkeiten aktiver angehen und analysieren, mit denen sich Jugendliche, Schulen, Eltern und Lernbetriebe konfrontiert fühlen.

Das bedeutet gezielt Antworten und Lösungen finden

  • für das Problem der Reife der Kinder einerseits und des bevorzugten Alters der Lehrbetriebe beim Lehrstellenantritt andererseits.Braucht es mehr oder andere Übergangsangebote oder einfach mehr Schulzeit für manche Jugendliche?
  • für das Problem des Zugangssystems und der enormen Belastung für die sehr jungen Menschen, sich auf Schule und Beruf gleichzeitig zu konzentrieren.
  • für die Bestimmung der tatsächlich wichtigen Kriterien beim Übertritt in eine Berufsausbildung. Damit verbunden sollten wir uns fragen, ob Lehrbetriebe oder die Berufachschule direktin die Berufsorientierung an den Sekundarschulen einbezogen werden sollten und welche Akteure wann wie wo zusammenarbeiten sollten.
  • Und wir sollten uns fragen, ob und welche innovativen Optimierungsmöglichkeiten das Brückenangebot hat, welche Rolle ihm in Zukunft zukommen soll, um zu einem attraktiven Basler Schulangebot beizutragen.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen

Bericht der Regierung: https://www.grosserrat.bs.ch/dokumente/100394/000000394757.pdf
Bericht der Bildungs- und Kulturkommission: https://www.grosserrat.bs.ch/dokumente/100395/000000395598.pdf

Jüdisches Museum der Schweiz in Basel

Grosser Rat, 10. November 2021, Votum zum Ratschlag Investitionsbeitrag an den Umbau der Liegenschaft Vesalgasse 5 und die Erneuerung der Dauerausstellung für das neue Jüdische Museum der Schweiz

Ein jüdisches Museum der Schweiz – hier in Basel – ist ebenso ein Museum der Schweizer Geschichte und die jüdische Gemeinschaft ein bedeutsamer Teil der Geschichte unseres Landes. Es zeigt den Umgang der christlich geprägten Mehrheitsgesellschaft mit Minderheiten.

Es ist sowohl der Teil der Schweizer Geschichte, der Ausgrenzung und Stigmatisierung bis zur Verfolgung aufzeigt, als auch derjenige Teil, welcher Duldung und Toleranz thematisiert.

Es ist die Geschichte der Emanzipation in der Helvetischen Republik und die Geschichte der Aufklärung in unserem Land.

Die jüdische Geschichte in der Schweiz ist auch eine Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung, eine Geschichte von Hausierern und Viehhändler, von Wissenschaftler:innen und Bankiers, von Künstler:innen und Lehrer:innen. Das ist das Spezielle an einem jüdischen Museum der Schweiz, es zeigt die Entwicklung der Eidgenossenschaft ohne Hellebarden und Kirchenschätze.

Am 2. November haben wir in Basel und Riehen erstmals eine Stolperschwelle und 4 Stolpersteine verlegt, im Gedenken an ein dunkles Kapitel. Wie der Regierungspräsident anlässlich dieses Gedenkanlasses gesagt hat, lassen uns die Worte der damaligen Regierung unseres Kantons heute erschaudern. Die Kaltherzigkeit – angesichts der Todesgefahr – für die Betroffenen – scheint uns heute nicht mehr möglich zu sein.

Wenn wir den üblen Antisemitismus sehen, der heute wieder stärker als noch vor kurzem denkbar grassiert, wissen wir, dass die Geschichte der jüdischen Gemeinde immer auch ein Spiegelbild für unsere Gesellschaft ist.

Das neue Jüdische Museum der Schweiz ist also eigentlich ein historisches Museum. Ein historisches Museum über das Verhältnis der Mehrheitsgesellschaft zu Minderheiten.

Die Grünliberalen befürworten, dass dieser Teil der Schweizer Geschichte gut und zugänglich vermitteln werden kann. Wir wünschen uns einen Ort der Lust macht, die kulturellen und auch rituellen Traditionen der Juden attraktiv und mit modernen Mittel zu entdecken.

Idealerweise wird das neue Jüdische Museum ein Ort, den jede Schulklasse besucht, ein Ort, der nicht verstaubt museal daherkommt, sondern lebendig und einladend ist. Ein Museum, welches auch als Begegnungsort von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Damit das Jüdische Museum diese wichtige Arbeit leisten kann, braucht es passende Räumlichkeiten für die Dauerausstellung und Projekte.Zurzeit ist es in ungeeigneten und viel zu kleinen Räumen untergebracht. Die Liegenschaft in der Vesalgasse bietet die Chance, diesen Zustand zu ändern und Raum für die bedeutsame jüdische Kultur zu schaffen.

Das ist dann möglich, wenn sich das Museum wie im Ratschlag beschrieben entwickeln kann und dabei vom Kanton unterstützt wird. Weiter wird das Jüdische Museum in den nächsten Jahren die Fundraising Aktivitäten mit klaren Zielvorgaben massiv verstärken, um hohe Beiträge durch Drittmittel zu generieren. Und die Investition in die Liegenschaf ist an einen langjährigen Mietvertrag gebunden mit der Option auf  Verlängerung.

Die Grünliberalen sind so zum Schluss gekommen, dass sich der Zuspruch für finanzielle Mittel, langfristig auszahlen wird.

Unsere Fraktion hat sich aber auch gefragt, ob nicht auch der Bund Beiträge zu dieser wichtigen Institution sprechen sollte und dabei erfahren, dass Bundesbeiträge an Museen nur geleistet werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Hohe Ausstrahlung und Qualität der musealen Arbeit der Institution
  • Betreuung einer wichtigen und in ihrer Art einzigartigen Sammlung mit Helvetica, die von besonderer Bedeutung für das kulturelle Erbe der Schweiz sind
  • Angebot einer innovativen Vermittlungsarbeit für ein breites und vielfältiges Publikum

Wir haben heute die Gelegenheit, den Grundstein zu legen, dass das Jüdische Museum der Schweiz, mit Standort hier in Basel, genau diese Kriterien so rasch als möglich erfüllen kann.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen

Gesetzliche Regelung für die Tagesstrukturen und Ferienbetreuung

Grosser Rat, 27. Oktober 2021, Votum zur Motion von Claudio Miozzari für eine gesetzliche Regelungen für die Tagesstruktur und Ferienangebote in Basel-Stadt

Der Regierungsrat ist der Ansicht, dass das Grundrecht in der Kantonsverfassung, wonach alle Erziehungsberechtigten innert angemessener Frist, zu finanziell tragbarenBedingungen eine staatliche oder private familienergänzende Tagesbetreuungsmöglichkeit für ihre Kinder angeboten wird, bei den schuleigenen und schulexternen Tagesstrukturen konsequent umgesetzt werden soll. Die Grünliberalen teilen die Einschätzung der Regierung.

Kindertagesstätten, Tagesstrukturen und damit verbunden die Ferienbetreuung – sind Bausteine der Kinderbetreuung von Basel-Stadt. Damit garantieren wir allen Eltern einen Tagesbetreuungsplatz per Verfassung – als einziger Kanton in der Schweiz.

Ich finde es wertvoll, kurz die Entwicklung und das System von Tagesstrukturen und der Ferienbetreuung zu verdeutlichen.

Im Schuljahr 20/21 standen insgesamt 3’463 Plätze für 4589 Schülerinnen und Schüler der Primarstufe zur Verfügung. Im 2010 waren es noch 1255 Plätze für 1’577 Kinder. Bereits damals wurden 1’519 Kinder in Tagesferien betreut. Aktuelle Zahlen liegen mir nicht vor. Ich gehe aber von einem ähnlichen Wachstum aus, dann sind es um die 4’420 Kinder, die während den Schulferien betreut werden.

Schuleigene Tagesstrukturen umfassen alle Betreuungsangebote an Schulen. Sie werden von den Schulen selbst oder auch aufgrund einer Leistungsvereinbarung mit dem Schulstandort – von privaten Anbietern durchgeführt

Schulexterne Tagesstrukturen umfassen alle Betreuungsangebote, die von privaten Anbietern quartierbezogen, schulextern aufgrund einer Leistungsvereinbarung mit dem Erziehungsdepartement – von privaten Anbietern bereitgestellt werden.

Die ausserschulische Ferienbetreuung wiederum ist organisatorisch unabhängig und wird aktuell noch vorwiegend von Privaten Trägern schulextern angeboten.

Im Gegensatz zum Tagesbetreuungsgesetz, das auf Grund eines ähnlich starken Wachstums total revidiert wurde, und die Bedingungen für die Kita’s und die Tagesfamilien regelt, werden die Rahmenbedingungen für die Tagesstrukturen auf der Verordnungsebene geregelt.

Die Grünliberalen unterstützen deshalb den Vorstoss für eine gesetzliche Regelung auch bei den Tagesstrukturen und im Detail aus den folgenden Gründen:

  • weil die Gleichbehandlung der privaten Leistungserbringer keine Frage des örtlichen Standorts sein darf. Erhebliche Unterschiede der Kostenansätze zwischen den schuleigenen und schulexternen Tagesstrukturen sowie den Ferienangeboten haben direkte Auswirkungen auf den Personaleinsatz und die Arbeitsbedingungen, die besonders oft von Frauen ausgeführt werden.
  • weil die finanzielle Gleichbehandlung der Eltern in Bezug auf die familienergänzende Betreuung gewährleistet sein muss, unabhängig von der Schule, die ihre Kinder besuchen
  • weil der Zugang für alle Kinder von Basel-Stadt zu bedarfsgerechtenBetreuungsangeboten und finanziell tragbaren Bedingungen auch in den Schulferiengewährleistet sein muss.
  • weil bei den Tagesstrukturen in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstumstattgefunden hat, Tendenz weiter steigend.

Gute kantonale Rahmenbedingungen für eine qualitativ hohe schul- und familienergänzende Betreuung der Kinder in den Tagesstrukturen von Basel-Stadt, sind für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die pädagogische Ausrichtung der Angebote, aber auch für faire Arbeitsbedingungen und faire Entlöhnung der Fachpersonen und Mitarbeiter:innen aller Tagesstrukturen im Kanton – ob privat oder staatlich – ausschlaggebend.

Auf Grund dieser Überlegungen vertreten wir Grünliberalen die Meinung, dass ein eigenes Gesetz für die Begleitung und Umsetzung der familienergänzenden Betreuung in Basel-Stadt auch in den Tagesstrukturen absolut Sinn macht.

Es geht der glp auch um die Frage, wie der Kanton sicherstellt, dass alle im Kanton Basel-Stadt wohnhaften Eltern zu ihrem verfassungsmässigen Recht auf einen garantieren Kinderbetreuungsplatz kommen – während der Schulzeit und auch in Schulferien – der finanziell tragbar ist.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen

Ausbau und Weiterentwicklung der Tagesstrukturen von Basel-Stadt

Grosser Rat, 27. Oktober 2021, Votum zum Ratschlag Ausbau und Weiterentwicklung der Tagesstrukturen auf Primarstufe (Kindergarten und Primarschule) und Sekundarstufe I sowie Stellungnahme zu fünf Anzügen 

Der Ausbau ist notwendig, der Schulraum knapp

Wir Grünliberalen bestreiten die Notwendigkeit des Ausbaus und der Weiterentwicklung der Tagesstrukturen nicht und sprechen uns für diese gesellschaftlich bedeutsame Investition aus. Aber die räumlich gegebenen Voraussetzungen in den Schulen verlangen vielerorts eine Verdichtung. Daneben müssen die pädagogischen Qualitätsansprüche der Schulen und der Tagesstrukturen natürlich weiter gewährleistet bleiben. Deswegen fand ich die Beratung in der BKK auch so herausfordernd. Eine sehr gute Organisation, Kommunikation und Zusammenarbeit bei den Schnittstellen sind erforderlich, um dem erhöhten Aufwand und der entstehenden Dynamik zu begegnen.

Im 2011 wurden aus pädagogischer Sicht Betreuungseinheiten mit 70 bis 80 Schülerinnen und Schüler empfohlen. Heute sollen nach dem Ausbau teilweise über 300 Kinder ihre Freizeit an den einzelnen Schulstandorten verbringen, während ihre Eltern arbeiten. Aktuell werden insgesamt bereits rund 4590 Schülerinnen und Schüler in Tagesstrukturenangeboten betreut.

Als Herausforderung sieht die glp die vorgesehene erweiterte Nutzung von Kindergärten durch Tagesstrukturen. Sie hat Einfluss auf die Arbeitsweise der betroffenen Lehrpersonen und ist darum nicht als reine Bau-Massnahme zu verstehen. Die räumlichen Verhältnisse dürfen nicht dazu führen, dass die pädagogischen Qualitätsansprüche nicht mehr erfüllt werden können und die Attraktivität dieses Berufs sinkt.

Der Punkt, dass aus wirtschaftlichen Überlegungen und ebenso aus Platzgründen an allen schuleigenen Tagesstrukturen auf das Kochen vor Ort verzichtet wird, was anderenorts praktiziert wird, führte ebenso zu regem Austausch in der BKK. Trotz der nachvollziehbaren Gründe ist die glp weiter vom Mehrwert von Küchen in Schulen überzeugt. Vor allem bei Schulhaus-Neubauten sind wir der Ansicht, sollte die Einbau-Möglichkeit jeweils neungeprüft werden. Dies weil Mahlzeiten aus frischen, regionalen Lebensmitteln zubereitet werden könnten. Die Wertschätzung und der Bezug der Kinder zum frischen Kochen und einer gesunden Ernährung gefördert würde. Aber auch der Unterricht könnte von Schulküchen profitieren. Kinder hätten die Möglichkeit in Kombination mit den Schulgärten den Nahrungskreislauf hautnah zu erleben. Weiter würden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und auf die weiten Transportwege der Essensanlieferung könnte man ganz verzichten. Den langen Transportweg von Dübendorf nach Basel für die kalt anzuliefernden Mahlzeiten, findet die glp ökologisch und ökonomisch verkehrt. Sie machen aktuell 45% des Liefervolumens aus, was täglich rund 1000 Mahlzeiten entspricht.

Viel Geld für etwas, das nur auf Verordnungsebene geregelt ist

Zu Diskussionen haben auch bei uns Grünliberalen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen zur Weiterentwicklung der Qualität der Tagesstrukturen geführt. Im Gegensatz zum Tagesbetreuungsgesetz werden sie einzig auf der Verordnungsebene geregelt, das Parlament hat darauf keinen Einfluss. Dieser Umstand verkomplizierte effektiv die Beratung in der BKK und ist zudem sehr komplex, und ich bin auch der Meinung, dass die Regelung nicht befriedigend ist. Die glp unterstützt deshalb die Motion Miozzari und Konsorten betreffend gesetzliche Regelung für die Tagesstruktur und Ferienangebote, die ebenfalls auf der Tagesordnung steht.

Finanzielle Ungleichbehandlung schuleigener bzw. schulexterner Tagesstrukturen

In diesem Kontext stehen für uns auch die frappanten Unterschiede der Kostenansätze bei den schuleigenen Tagesstrukturen einerseits pro Platz/Kind mit 10’725 Franken und den schulexternen Tagestrukturplätzen pro Platz/Kind à 4’600 Franken andererseits. Private Träger müssen dasselbe pädagogische Angebot mit garantierter Qualität bereitstellen. Sie sind ebenso an die Höhe der kantonalen Elternbeiträge gebunden aber müssen mit weniger als der Hälfte des Geldes wirtschaften. In der Konsequenz gelten andere Regeln für den Personaleinsatz und für die Arbeitsbedingungen. Weiter werden für die Betreuung von Kindern mit speziellem Förderbedarf im Gegensatz zu den schuleigenen Tagesstrukturen keine zusätzlichen Beiträge gesprochen. Wir Grünliberalen finden die Ungleichbehandlung der Leistungserbringer sehr problematisch.

Garantierter Anspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz

Ein weiterer Punkt, der in der BKK und auch glp-intern zu Diskussionen geführt hat, ist die Garantie, dass jedes Kind in Basel Anspruch auf einen Betreuungsplatz hat. Tagesstrukturen richten sich nach den Bedürfnissen der Kinder, die ihre Freizeit dort verbringen, weil ihre Eltern arbeiten und Anspruch auf einen finanziell tragbaren und bedarfsgerechten Betreuungsplatz haben. Die Fraktion der glp ist der Ansicht, das Recht ist unabhängig davon, welche Schule die Kinder besuchen zu verstehen. Aus liberaler Sicht stehen wir Grünliberalen kritisch der Tatsache gegenüber, dass insbesondere in schulexternen Tagesstrukturen, die von privaten Trägern geführt werden, nur Kinder aus den Volkschulen finanzielle Unterstützung erhalten. Manche Privatschulen erheben einkommensabhängige Schulbeiträge, damit alle Kinder – unabhängig vom Einkommen der Eltern – den Unterricht besuchen können.

Der garantierte Kinderbetreuungsplatz ist nicht an die Wahl der Schule gekoppelt und soll darum nicht automatisch zum Verzicht des einkommensabhängigen finanziellen Anspruchs der Eltern führen. Dies trifft besonders die einkommensschwachen Familien.

Ebenso sind wir der Ansicht, dass in den Schulferien allen Kindern der Zugang zu den kantonalen mitfinanzierten und bedarfsgerechten Betreuungsangeboten zu finanziell tragbaren Bedingungen zu gewährleisten ist.

Ja zu den Ausgaben mit jährlicher Berichterstattung

Trotz den Ausführungen, sagen die Grünliberalen Ja zu den notwendigen Rahmenausgaben. In erster Linie geht es nun darum, den Ausbau der Tagesstrukturen zu sichern und Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu gewährleisten. Wir sprechen dem Regierungsrat unser Vertrauen aus, dass die finanziellen Mittel umsichtig und sorgfältig eingesetzt werden und anerkennen die enorme Herausforderung, die das Erziehungsdepartement wegen dem Kapazitätsausbau und der Verzahnung von Bildung und Freizeit sowie bei der Koordination der interprofessionellen Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus zwei Bereichen zu meistern hat.

Wir begrüssen deswegen die jährliche Berichterstattung in Bezug auf die Umsetzung der konkreten Massnahmen an den einzelnen Schulstandorten. Die Grünliberalen folgen zudem den Ausführungen des Regierungsrats, in Bezug auf die im Ratschlag aufgeführten Anzüge und empfehlen sie abzuschreiben.

Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen

Massnahmen zur Bildungsgerechtigkeit an den Schulen

Vorstoss 24. September 2021. Um Massnahmen zur Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit an den Schulen geht es in meiner Schriftlichen Anfrage

Der Anzug von Edibe Goelgeli (SP) fordert die Prüfung der Schülerzuteilung zur besseren sozialen Durchmischung der Schulklassen von Basel-Stadt. Ein komplexes Computerprogramm, das auf einem bestimmten Algorithmus basiert – soll zu mehr Chancengerechtigkeit verhelfen. Gebietsgrenzen der Schulstandorte werden je nach Bedürfnis verschoben.

Die Grünliberalen haben den Anzug begleitet durch ein kritisches Votum überwiesen. In einer Stadt führen auch kleinräumige Anpassungen der Einzugsgebiete zu grosser Unruhe unter den Erziehungsberechtigten. Der Schulstandort, ist bei der Wohnortwahl der Familien oft das ausschlaggebende Kriterium. Folglich hat eine Umverteilung von Schülerinnen und Schüler das Potential, dass die Diskussion der Zuteilung verschärft geführt wird.

Weiter ist die Umverteilung von Kindern aufgrund ihrer Muttersprache und in der Konsequenz ihrer ethnischen Herkunft, insofern ein gefährlicher Ansatz, indem der Schulerfolg mit der ethnischen Zusammensetzung der Klasse in einen Zusammenhang gebracht wird.

Ich bin auch der Meinung, dass leistungsfremde Merkmale wie der sozioökonomische Hintergrund, die Bildungsaspirationen der Eltern, die Erwartungshaltungen oder die Unterrichtsqualität, die Bildungschancen der Kinder beeinflussen. Es zeigen sich weiter verstärkt Bildungsungleichheiten zwischen Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozialer Herkunft.

Unabhängig von der Prüfung, ob ein Computerprogramm die Zusammensetzung der Kinder in einer Klasse anhand von vordefinierten Zielgrössen besser mischt und ob das realisierbar und sinnvoll ist, bleibt zu klären, ob damit die Dynamik der sozialen Segregation besser aufzuhalten ist. 

Sicher ist, dass jedes Kind das Recht auf ausgezeichnete Bildung hat und darauf, sein Potential umzusetzen. Eine Umverteilung von Kindern, macht aber noch keine bessere Schule. Diese hingegen können selbst eine massgebliche Reduktion von Bildungsungleichheiten ausüben. Schulleitungen sowie die Lehrpersonen und ihr Unterricht haben den grössten Einfluss auf die Schulleistungen und den Lernerfolg, ganz abgesehen von den individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. 

Aktuell werden Förderressourcen ausgehend vom Sozialindex standortspezifisch in unterschiedlichem Ausmass gesprochen. Im Hinblick auf die Herstellung von mehr Chancengerechtigkeit mittels effektiver Massnahmen habe ich bereits im Votum angekündigt, einen Vorstoss bezüglich der zusätzlichen Ressourcenverteilung basierend auf dem Sozialindex einzureichen.

Folgende Fragen stellen sich mir, um deren Beantwortung ich den Regierungsrat bitte:

  1. Welche (methodisch-statistischen) Indikatoren und Faktoren werden mit welcher Wertung (Gewichtung) im Sozialindex berücksichtig, die für die Zuteilung der zusätzlichen Ressourcen herangezogen werden. 
  2. Wird die Zusammenstellung des Sozialindexes regelmässig mit Blick auf die Chancengerechtigkeit überprüft, und wenn notwendig angepasst (Monitoring)? 
  3. Wie leiten sich die schulstandortspezifischen Unterstützungsmassnahmen aus dem Sozialindex ab und anhand welcher „Belastungskriterien“ werden die zusätzlichen Ressourcen standortspezifisch verteilt?
  4. Sind die zusätzlichen Ressourcen, welche aufgrund des Sozialindexes für die Schulstandorte gesprochen werden, ausreichend?
  5. Werden die zusätzlich zugeteilten Ressourcen vor Ort tatsächlich so eingesetzt, dass damit ein Beitrag zur Verringerung der Bildungsungleichheit geleistet wird? Wird dies evaluiert und werden die Erfolge gemessen? 
  6. Verfügen die einzelnen Schulstandorte über genügend Autonomie, um erwiesenermassen wirksame Fördermassnahmen gemäss Ressourcenverteilung umzusetzen, damit sie erfolgreich sein können?
  7. Werden aufgrund der Resultate der Checks, standortspezifische schulinterne Entwicklungsfelder für die Chancengerechtigkeit in der Schule und für die Schulentwicklung definiert und umgesetzt. Wenn ja, wie und welche? 
  8. Was wäre nach Einschätzung des Regierungsrats, ein notwendiges Lektionen-Dach (z.B. DAZ, Förderunterricht), welches die Chancengerechtigkeit am besten abdecken würde?
  9. Werden die Formen der kostenintensiven Fördermassnahmen von Fachstellen und Schulen, die einen Beitrag leisten sollen zu mehr Chancengerechtigkeit, wissenschaftlich evaluiert bezüglich ihrer effektiven und effizienten Wirksamkeit zur Reduktion von Bildungsungleichheiten?

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