Grosser Rat Januarsession 2026: Das Parlament beschliesst das Budgetpostulat „Standortspezifische Lüftungskonzepte an Schulen zwecks Nachtauskühlung ab Sommer 2026“ mit 59 Ja gegen 33 Nein Stimmen und 1 Enthaltung an die Regierung zur Berichtserstattung zu überweisen.
Wer im Sommer ein Schulzimmer betritt, weiss: Hitze ist kein abstraktes Klimathema. Sie steht im Raum, sie bleibt in den Wänden, sie sitzt im Nacken der Kindern und dem Schulpersonal.
Wir sprechen auch nicht über ein theoretisches Zukunftsproblem, sondern über eine Realität, die längst im Schulalltag angekommen ist. Gemäss SECO ist eine Innentemperatur von 26 Grad erlaubt, Unterricht findet aber im Sommer bei Innentemperaturen im Klassenzimmer von weit über 30 Grad statt, oft über mehrere Tage, in Gebäuden, die nachts nicht auskühlen können. Die Folgen sind bekannt, wissenschaftlich belegt und von der Regierung anerkannt. Hitze macht müde, sie senkt die Konzentration, schränkt die kognitive Leistungsfähigkeit ein und beeinträchtigt Wahrnehmung und Lernfähigkeit. Sie belastet die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler ebenso wie jene der Lehr- und Fachpersonen. Unterricht unter solchen Bedingungen ist weder pädagogisch sinnvoll noch gesundheitlich vertretbar. Neu ist diese Problematik nicht, aber sie spitzt sich weiter zu.
Die Regierung hielt in ihrer Antwort auf meine Anfrage betreffend „Umgang mit Hitzeperioden an Schulen“ bereits im September 2023 fest, dass frühes Lüften und Nachtauskühlung zentrale Voraussetzungen sind, um hohe Raumtemperaturen zu vermeiden.
Gleichzeitig wurde aber auch klar gesagt, dass genau diese Nachtauskühlung in vielen Schulgebäuden faktisch nicht möglich ist. Sei es aus Sicherheitsgründen, wegen fehlender Technik oder wegen der Arbeitszeiten des Hausdienstes.
Wir wissen also seit Jahren, was nötig wäre. Und wir wissen ebenso lange, dass es unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden kann.
Der Grosse Rat hat daraus Konsequenzen gezogen. Im Mai 2025 wurde mein Anzug zu Sofortmassnahmen überwiesen, im Oktober folgte die verbindliche Überweisung der Motion für einen nachhaltigen Gesundheitsschutz vor Hitzebelastung an Schulen. Der Auftrag ist klar: Der Kanton soll den Unterricht auch bei zunehmender Hitze verlässlich sicherstellen. Wir reden nicht über einen neuen politischen Schwerpunkt, sondern über die Umsetzung einer parlamentarischen Vorgabe.
Genau hier setzt mein Budgetpostulat an, das ich für die Januarsession 2026 eingereicht habe. Es gibt dem Parlament die Möglichkeit, den Regierungsrat zu einem Bericht zu verpflichten und im April ein Budget für eine realisierbare Sofortlösung für den Sommer 2026 verbindlich zu beschliessen.
Denn wenn wir wollen, dass im kommenden Sommer tatsächlich etwas Wirkung zeigt, müssen die nächsten Schritte jetzt vorbereitet werden. Es braucht Organisation, konkrete Konzepte und Ressourcen. Eine wichtige Rolle spielt, wie hoch die Ausgangstemperatur in den Schulgebäuden am Morgen ist. Beginnt der Unterricht bei rund 20 Grad, heizen sich die Schulzimmer deutlich langsamer auf.
Bleibt die Früh- oder Nachtauskühlung aus, staut sich die Hitze über mehrere Tage hinweg mit spürbaren Auswirkungen auf die Gesundheit und den Unterricht.
Die gezielte Quer- respektive „Kaminlüftung“ ab 4 Uhr morgens ist eine realisierbare und technisch verantwortbare Massnahme. Dass er bislang vielerorts nicht umgesetzt werden kann, liegt nicht am fehlenden Willen des Schulpersonals, sondern an den strukturellen Rahmenbedingungen. Dass dafür kurzfristig externes Sicherheitspersonal nötig ist oder das Reinigungspersonal früher starten soll und standortspezifische Lüftungskonzepte erarbeitet werden müssen, ist eine direkte Folge der unterschiedlichen Gebäudestrukturen und Sicherheitsanforderungen.
Ein Abwarten würde bedeuten, dass wir trotz überwiesener Vorstösse und klarer Problemanalyse den Sommer 2026 erneut ohne konkrete Massnahmen verstreichen lassen.
Und da frage ich mich schon, welches Signal wir an die Betroffenen aussenden, wenn wir die Belastungen an Schulen für Kinder, Jugendliche und Schulpersonalzwar klar anerkennen, sie aber erneut vertagen
Dass dieses Anliegen nicht bereits in der Budgetberatung der Finanzkommission im 2025 für’s 2026 aufgenommen werden konnte, liegt am zeitlichen Ablauf. Die verbindliche Überweisung der Motion erfolgte erst Ende Oktober.
Dieses Budgetpostulat schliesst diese Lücke. Es basiert auf Abklärungen mit der Fachstelle Raum und Anlagen und ist gezielt auf die betroffenen Gebäude beschränkt, damit im Sommer 2026 bessere Rahmenbedingungen für Unterricht und Gesundheit geschaffen werden können.
Wir sollten den Gesundheitsschutz und die Beschlüsse des Kantonsparlaments ernst nehmen und deshalb nicht nochmals ein weiteres Jahr abwarten. Schulen sind keine Freizeitbetriebe! Ich bin dankbar, dass das Parlament dies erkannt hat und das Budgetpostulat zur Berichterstattung an die Regierung überwiesen wurde: Zum Video-Protokoll/Votum.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
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