Wenn familienergänzende Ferienbetreuung nur noch wochenweise angeboten wird, geht ein Stück Alltagstauglichkeit verloren. Dabei lässt der Kanton bewusst Spielraum für flexible Lösungen. Entscheidend ist, dass dieser auch zukünftig genutzt wird, für Familien, für Kinder und für eine vielfältige Betreuungslandschaft.
Für viele Familien und Erziehungsberechtigte ist die Möglichkeit Ferienangebote flexibel zu buchen zentral, insbesondere bei Teilzeitmodellen und unregelmässigen Arbeitszeiten. Eine bedürfnisorientierte familienergänzende Ferienbetreuung richtet sich an Eltern, die ihre Kinder in den Ferien zumindest teilweise selbst betreuen wollen und können. Die Buchung einzelner Tage ist dabei ein zentraler Baustein, sowohl aus organisatorischer Sicht als oft auch im Hinblick auf eine kindgerechte Gestaltung des Alltags.
Die kantonalen Vorgaben lassen diesen Spielraum bewusst zu: Gemäss Verordnung über die Tagesstrukturen und die Ferienangebote (SG 412.600, TFV) können Ferienangebote sowohl wochenweise als auch an einzelnen Wochentagen besucht werden.Während an Schulen die tageweise Buchung gängige Praxis ist, halten die kantonalen Richtlinien (zum Besuch der Tagesstrukturen der Primarstufe sowie der Ferienangebote in der Stadt Basel) fest, dass private Anbieter ebenfalls einzelne Tage anbieten können, etwa für Kinder, die das schulexterne Tagesstrukturangebot bereits während der Schulzeit nutzen.
Das Erziehungsdepartement zeigt sich in den gemeinsam mit den Trägerschaften geführten Verhandlungen von Leistungsvereinbarungen grundsätzlich offen, auch wenn dies in der konkreten Umsetzung gewisse administrative Anpassungen erfordert.
Gerade beispielsweise für einen Elternverein wie das Kinderhuus Gampiross ist dieser Handlungsspielraum zentral: Die Möglichkeit, Ferienbetreuung flexibel zu gestalten, ist unmittelbarer Ausdruck seines auf die Bedürfnisse der Familien ausgerichteten Selbstverständnisses.
Aber auch aus pädagogischer Sicht ist dies relevant: Für jüngere Kinder ab Kindergarten kann eine durchgehende Betreuung, oft über mehrere Wochen hinweg an fünf ganzen Tagen mit langen Betreuungszeiten sehr herausfordernd sein. Eine flexible, tageweise Belegung ermöglicht Übergänge, Erholungsphasen und individuelle Rhythmen besser zu berücksichtigen.
Mit der Umsetzung der Motion Heer wird die Ferienbetreuung in Basel-Stadt neu ausgerichtet. Bis im Frühjahr 2028 erarbeitet das Erziehungsdepartement die Grundlagen. Danach erfolgt die Beratung im Grossen Rat. Umso wichtiger ist es bereits heute, dass dabei gleich lange Spiesse für öffentliche und private Anbieter gelten.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass private Trägerschaften beim Anmeldewesen wie bisher vergleichbare Rahmenbedingungen erhalten und Eltern weiterhin zwischen wochen- und tageweiser Betreuung wählen können. Ich stütze damit die Forderung des Vorstosses.
Denn klar ist: Werden bestehende Handlungsspielräume nicht genutzt oder unterschiedlich ausgelegt, laufen private Anbieter Gefahr, im Zuge von Reformen auf der Strecke zu bleiben, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen, bedürfnisgerechten und pädagogisch sinnvollen familienergänzenden Betreuungslandschaft leisten, mit der sich Eltern über Jahre hinweg stark identifizieren. Umso bedauerlicher wäre es, wenn bestehende Wahlmöglichkeiten eingeschränkt würden und damit die Flexibilität für Familien verloren ginge.
Sandra Bothe-Wenk
Grossrätin Grünliberale Basel-Stadt
Wahlkreis Riehen
Bild: Sandra Bothe
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